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BARK CLOTH – Ein Ur-Werkstoff trifft auf Biopolymere

Rindenvliese gelten als Ur-Werkstoffe mit jahrtausendealter Geschichte. Sie werden unter anderem in Afrika auf traditionelle Weise hergestellt. Das Ebringer Unternehmen BARK CLOTH Europe produziert zusammen mit ugandischen Biobauern den holzfreien Biowerkstoff. Gemeinsam mit Partnern aus dem Netzwerk möchte BARK CLOTH Europe das Rindentuch® mit Biopolymeren veredeln.

Schon 1999 nahm BARK CLOTH Europe seine Tätigkeit als Pionier systematischer Rindenvliesproduktion auf. Das einstige Entwicklungshilfeprojekt steht mittlerweile auf eigenen Füßen und sichert hundert klein bäuerlichen Familien ein Einkommen. „Das Rindenvlies ist eines der ältesten Textilien", berichtet Oliver Heintz, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, „und ich dachte da kann man mehr mit machen."

Jedes Rindentuch ist ein Unikat

Das Rindenvlies wird vom Mutuba-Feigenbaum (Ficus natalensis) gewonnen, der in Uganda auf Mischplantagen angebaut wird. Im Jahr 2005 erklärte die UNESCO den handwerklichen Produktionsprozess zum Weltkulturerbe. Das Rindenvlies wird traditionell von den Baganda hergestellt, die im südlichen Uganda leben. Die Rinde wird während der Regenzeit geerntet und mit verschiedenen Arten von Holzhämmern weich geschlagen, so dass sich die einzigartig feine Textur und die verschiedenen Brauntöne des Vlieses ergeben. „Es ist auch eine Aufgabe unseres Unternehmens zu zeigen, dass man der Industrie Halbzeuge zur Verfügung stellen kann, die jedoch nicht industriell sondern in Handarbeit gefertigt sind“, erklärt Heintz. Das Rindentuch ist somit kein Massenprodukt, denn kein Tuch gleicht dem anderen. Aus der Rinde eines Baumes entsteht ein Tuch, man erhält somit immer ein Unikat. Dennoch kann das Material so produziert werden, dass es einer ISO-Normierung gerecht wird. „Es gibt zum Beispiel ein ISO-genormtes Hochdrucklaminat, das mit dem Rindentuch® gefertigt wird, und besonders im architektonischen Bereich, also für Möbel und Wandverkleidungen, zum Einsatz kommt“, berichtet Heintz.

BARKTEX®_Plus-Latex_059 wurde mehrfach ausgezeichnet

Das Rindentuch® wird auch im Autoinnenraum eingesetzt. © BARK Cloth Europe

BARK CLOTH Europe bietet zahlreiche veredelte Formen des robusten, textilartigen Halbzeugs der Marke BARKTEX® an. Das Rindenvlies „BARKTEX®_Plus-Latex_059" gewann im Oktober 2008 den seit 2003 jährlich ausgelobten "Materialica Design + Technology Award". Das Halbzeug besteht aus dem aus dem Feigenbaum gewonnen Rindenvlies und ist mit Naturlatex des Kautschukbaums Hevea brasilliensis benetzt. Beide Komponenten sind extrem schnell nachwachsende und sich permanent erneuernde Rohstoffe, die ein- (Rinde) bis mehrmals (Latex) im Jahr geerntet werden. BARK CLOTH Europe entwickelte das Material zusammen mit der brasilianischen Gummizapfer-Kooperative "Seringuero Machado do Oeste" und dem Freiburger Regenwald-Institut für angewandten Regenwaldschutz. Auf Grund der Latexoberfläche weist das dreidimensional verformbare Material hohe abrieboptimierte sowie wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften auf. „BARKTEX®_Plus-Latex_059" ist eine Alternative zu erdölbasierten Vliesen und eignet sich zur Verpolsterung, für Sportgeräte und modische Accessoires, armierte Gehäuseoberflächen und Detaillösungen im Automotive Sektor. Eine weitere Auszeichnung konnte das Material beim durch das nova-Institut erstmals im Dezember 2008 ausgelobten „Biowerkstoff des Jahres" erringen, „BARKTEX®_Plus-Latex_059" belegte dabei den zweiten Platz.

Rindenvliese mit biopolymeren Harzen

Das Rindenvlies als Handyüberzug. © BARK CLOTH Europe

BARK CLOTH Europe betreibt weiterhin eine konsequente Entwicklung und Produktion von ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Fasermaterialien für unterschiedliche Sektoren in Industrie und Handwerk. Für seine Werkstoffentwicklungen erhielt das Unternehmen bereits zahlreiche Auszeichnungen wie den Freiburger Innovationspreis 2006. Zudem wurde BARK CLOTH Europe 2007 für den offiziellen Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert.

Das Unternehmen ist Mitinitiator des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt co-finanzierten NIOS-Forschungsprojektes (Nachhaltige Innovationen für den Outdoor- und Sport-Sektor). In Uganda ist es einer der Inhaber des Internationalen "BARK CLOTH Research and Training Institute", das sich zum Ziel gesetzt hat, das Wissen um die Rindentuchproduktion in Afrika, Lateinamerika und dem Südpazifik zu bündeln. So können weitere industrielle und handwerkliche Anwendungen für den Werkstoff Baumrinde entwickelt werden.

In der Weiterentwicklung des Werkstoffs möchte Oliver Heintz nun voran schreiten. „Anfang 2009 haben wir damit begonnen, das Rindenvlies mit Biopolymeren auszurüsten", erklärt Heintz. „Dabei konnten wir erste Erfahrungen mit biopolymeren Harzen sammeln. BARK CLOTH möchte Naturfasersichtlaminate herstellen, die funktional aber auch optisch ansprechend sind", so die Worte des Firmengründers. „Die Stärke des Materials liegt ganz klar bei der optischen Gestaltung", sagt Heintz. Durch die Veredelung des Rindenvlies mit der biopolymeren Harzoberfläche ist ein Einsatz bei Gehäusen, im Transportation Design oder auch für Möbel denkbar. Dass diese Entwicklung schwer als Einzelunternehmen zu realisieren ist, weiß auch Oliver Heintz. „Es ist unser Ziel, eine solche Anwendung in Zusammenarbeit mit Clusterpartnern zu entwickeln. Wir suchen daher Partner, die mit uns gemeinsam diese innovativen Schritte gehen."

Glossar

  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Transportation Design beschäftigt sich mit der Gestaltung des Äußeren sowie des Innenraums von Transportmitteln (z. B. Automobile, Schiffe, Flugzeuge).
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/bark-cloth-ein-ur-werkstoff-trifft-auf-biopolymere/