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BARK CLOTH_europe - ressourcenschonend erfolgreich

Ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig: Dies ist das Unternehmen BARK CLOTH_europe, welches 2013 als einer der zehn Gewinner des 'LAUNCH System Challenge: Fabric' ausgezeichnet wurde. Mit seinem Biowerkstoff aus der Rinde eines afrikanischen Baumes vertreibt das Unternehmen einen innovativen Werkstoff, der durch traditionelle afrikanische Bearbeitungsprozesse hergestellt wird.

BARK CLOTH_europe bei dem Wettbewerb 'LAUNCH System Challenge: Fabric' 2013. © BARK CLOTH_europe

Inneneinrichtungen und Textilien aus Baumrinde? Viele Europäer sind vermutlich überrascht, wenn sie dies hören. Doch das Rindentuch ist ein ursprünglicher Werkstoff aus Afrika, der aus der Rinde des ostafrikanischen Feigenbaums (Ficus natalensis) gewonnen wird. Dieser immergrüne Baum wird von den Einheimischen Mutuba genannt. Dass das traditionell gefertigte Rindentuch und die daraus entwickelten Biowerkstoffe einen Beitrag zur Bioökonomie leisten können, zeigt die Auszeichnung des Unternehmens BARK CLOTH_europe als einen der Gewinner der 'LAUNCH System Challenge: Fabric'. Das südbadische Unternehmen und sein Biowerkstoff BARKTEX® wurden hier von der NASA, dem Unternehmen NIKE, der U. S. Agency for International Development und dem U.S. State Department ausgezeichnet.

Der Biowerkstoff BARKTEX®, der unter anderem auch mit Kunststoffen kombiniert werden kann, gilt damit weltweit als eine der zehn Werkstoffinnovationen des Jahres 2013. Laut der 2010 gegründeten Innovationsplattform LAUNCH haben die 2013 ausgezeichneten zehn Unternehmen und Innovationen das Potenzial, den Wohlstand der Menschen zu fördern, ganze Wirtschaftszweige in ein nachhaltiges System zu überführen, weltweit ein gerechtes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen und die Ressourcen der Erde zu erneuern.

Nachhaltige Wertschöpfungskette

Lagerung des Rindentuchs vor einem Wald aus Feigenbäumen und Bananenpflanzen. © BARK CLOTH_europe

Auch den sozial nachhaltigen Produktionsstrukturen galt die Auszeichnung. „BARK CLOTH_europe investiert und produziert dort, wo andere Unternehmen dies üblicherweise unterlassen: in Regionen mit unzureichender Infrastruktur“, erklärt Oliver Heintz, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Mary Barongo leitet. BARK CLOTH_europe produziert hauptsächlich in Dörfern und Kleinstädten von Uganda. Weiterhin gibt es kleine Produktionsstätten in abgelegenen Regionen von Honduras, Papua-Neuguinea und dem brasilianischen Amazonasbecken.

Das Rindentuch wird in Uganda traditionell gefertigt. Die Rinde wird von den Bäumen geschält und anschließend von Hand bearbeitet. Insbesondere kleinbäuerliche Familien bauen den Mutuba an, denn er hat neben der Rindenproduktion noch weitere Vorteile. „Ficus natalensis stärkt das Waldgartenbau-Ökosystem und führt zu einer signifikant höheren Lebensmittelproduktion“, erklärt Oliver Heintz. Der Feigenbaum fungiert in diesem Ökosystem als Schattengeber und bietet durch die schnell verrottenden Blätter ein natürliches Düngemittel. Seine weitverzweigten Wurzeln leiten Nährstoffe und Wasser aus tieferen Erdschichten an die Oberfläche und bieten einen guten Erosionsschutz. Die Bauern pflanzen zusammen mit den Feigenbäumen Kochbananen sowie Kaffee- und Vanillepflanzen an. „Biowerkstoff- und Nahrungsmittelproduktion laufen damit komplementär“, sagt Heintz.

Die Veredelung des Rindentuchs findet in einer firmeneigenen Manufaktur statt, die maximal 100 Kilometer von den Kleinbauern entfernt angesiedelt ist. „Damit haben wir eine dezentrale Fasergewinnung und Veredelung“, berichtet der Unternehmer. „In der Veredelung stellen wir ausschließlich Frauen ein, sodass damit infolge des Einkommens die Rolle der Frau deutlich gestärkt wird."

Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkstoffen


Für die Produktion des traditionell gefertigten Rindentuchs konnte eine positive CO2-Bilanz nachgewiesen werden. Der Biowerkstoff BARKTEX® kann eine neutrale CO2-Bilanz aufweisen. Ferner ist der Wasserverbrauch deutlich geringer als bei anderen Textilien wie etwa Baumwolle. Der Baum wächst extrem schnell. Nachdem er durch Triebstecklinge vermehrt wurde, kann nach drei Jahren die erste Ernte durchgeführt und im Anschluss jährlich geerntet werden.

Welche Rolle kann der Holzwerkstoff nun im Vergleich mit herkömmlichen Werkstoffen wie Leder, Kunststoff oder gewöhnlichem Holz einnehmen? „Es ist uns gelungen, ein Naturfaserhalbzeug in einer Manufaktur zu produzieren und in die Industrie zu überführen“, erklärt Oliver Heintz. Das Unternehmen ist besonders im Bereich Innenausbau, Möbel und Lichtgestaltung erfolgreich. So bringt es als Produkte Tapeten, Lampenschirme und Schichtstofflaminate zum Beispiel für Wandverschalungen auf den Markt. „BARK CLOTH befindet sich eher im mittleren bis höheren Preissegment und wird daher überwiegend in Hotel und Gastronomie sowie im Ladenbau eingesetzt“, berichtet Heintz. „In der Bekleidungsbranche kommt BARKTEX® bisher zumeist bei kleinen Avantgarde-Labels zum Zuge, da in der Bekleidung überwiegend kurzlebige und billige Materialien eingesetzt werden.“

Seit Kurzem ist das Unternehmen Partner in einem internationalen und interdisziplinären Wissensverbund der BASF SE. „In diesem Verbund konzentriert sich die Forschung darauf, BARKTEX® als robusten, ressourcenschonenden und preisgünstigen Ersatz für Leder einsetzen zu können. In Baden-Württemberg verfolgen wir in einer Kooperation mit dem Textilhilfsmittelhersteller CHT/BEZEMA aus Tübingen dasselbe Ziel, jedoch mit einem gänzlich anderen Verfahren“, erklärt der Werkstoffpionier. Er rechnet damit, dass das Ledersubstitut in etwa sechs Monaten in kleineren Mengen auf den Markt kommt.

Interdisziplinäres Denken ist gefragt

Möbel aus BARKTEX® © BCE

Auch für den medizinischen Bereich hat der Werkstoff einige interessante Eigenschaften. Nach Erzählungen der einheimischen Bevölkerung wirkt das Latex von Ficus natalensis antiseptisch. Weiterhin ist bekannt, dass bis in die 1950er Jahre die Malariaverbreitung in der Region deutlich geringer war als heute. Afrikanische Wissenschaftler führen dies darauf zurück, dass die Menschen sich damals noch mit dem Rindentuch zudeckten. Die Tannine enthaltende Rinde wehrte die Stechmücken ab, die Malaria übertragen. „Wir verfügen jedoch über keine medizinische Kompetenz, sodass diese Ansätze bisher nicht weiterverfolgt wurden“, berichtet der Geschäftsführer.

Dass es schwer ist, zwischen den einzelnen Branchen zu vermitteln, weiß Heintz aus eigener Erfahrung. „BARKTEX® ist als Schnittstelle von Holzwerkstoff zu Vlies ein untypisches Textil. So kommt es vor, dass sowohl Holztechnologen als auch Textilingenieure mit dem Werkstoff nichts anfangen können. Ferner mangelt es häufig an der Bereitschaft, sich mit traditionellen Produktionsprozessen auseinanderzusetzen, vermutet Heintz. Daher fällt es dem Unternehmen auch schwer, in den Bereichen Textil-, Holz- und Polymerforschung Forschungskooperationen zu finden. Die Auszeichnung durch die 'LAUNCH System Challenge: Fabric' zeigt jedoch, dass es sich durchaus lohnen würde in diese Richtung zu arbeiten. Denn neben den aufgeführten Vorteilen im Bereich der Wertschöpfungskette ist der Vertrieb des Rindenvlieses auch rentabel. „Das Ganze macht ökonomisch Sinn, immerhin sind wir im 15. Unternehmensjahr“, so Heintz.

Glossar

  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Ein Polymer ist eine aus gleichartigen Einheiten aufgebaute kettenartige oder verzweigte chemische Verbindung. Die meisten Kunststoffe sind Polymere auf Kohlenstoffbasis.
  • Als Ökosystem wird das Zusammenleben zwischen den Lebewesen in ihrer Umwelt bezeichnet.

Glossar

  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Ein Polymer ist eine aus gleichartigen Einheiten aufgebaute kettenartige oder verzweigte chemische Verbindung. Die meisten Kunststoffe sind Polymere auf Kohlenstoffbasis.
  • Als Ökosystem wird das Zusammenleben zwischen den Lebewesen in ihrer Umwelt bezeichnet.
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