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C.S.P. - Bindeglied zwischen Anbau und Nutzung

Immer mehr Industrieunternehmen wollen in ihrer Produktion nachwachsende Rohstoffe einsetzen, sei es aus ökologischem, ökonomischem oder technischem Interesse. Häufig scheitern diese Firmen jedoch daran, mit den Landwirten in Kontakt zu treten und somit die geforderten Quantitäten und Qualitäten zu beschaffen. Die C.S.P. Consulting und Service für Pflanzliche Rohstoffe GmbH aus Dresden kann genau diese Lücke zwischen Landwirten, als den Rohstoffproduzenten, und Industrieunternehmen mit ihrem Know-how und dem ihrer Partner schließen.

Feld mit Miscanthus x giganteus, dem riesenwüchsigen Chinagras © C.S.P.

Evelin Tetzner und Günter Gäbler, beide Diplom-Gartenbauingenieure, schlossen vor etwa fünf Jahren ihre Ingenieurbüros zusammen, um mit der C.S.P. Consulting und Service für Pflanzliche Rohstoffe GmbH (C.S.P.) den verstärkten Einsatz von pflanzlichen Roh- und Reststoffen, insbesondere Pflanzenfasern, in der Industrie zu fördern. Gemeinsam mit ihren Auftraggebern sucht das Team der C.S.P. weltweit nach den pflanzlichen Materialien, welche den Anforderungen an die Endprodukte am ehesten gerecht werden. "Hier ist, bei allem bisher Geleisteten, noch jede Menge Forschungs- und Entwicklungsarbeit erforderlich", berichtet Evelin Tetzner, die Geschäftsführerin des Unternehmens. Die C.S.P. arbeitet deshalb auch sehr intensiv mit den entsprechenden wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Stellvertretend seien hier nur das Faserinstitut in Bremen, die Hochschule Magdeburg, das IFF in Weimar und das Sächsische Textilforschungsinstitut in Chemnitz genannt.

Garantierte Qualität

Fasern und Granulate © C.S.P.

Beim Einsatz pflanzlicher Rohstoffe ist nicht nur die Pflanzenart von Bedeutung, sondern genauso entscheidend ist die Anbauregion. Denn die Beschaffenheit des Bodens und die klimatischen Bedingungen sind wesentliche Faktoren, welche die Qualität des Pflanzenmaterials mitbestimmen. So kann unter anderem die Niederschlagsmenge in der Hauptvegetationszeit die Qualität der Fasern maßgeblich beeinflussen.

In einem weiteren Schritt bietet das Unternehmen den Industriebetrieben die Beschaffung der Roh- und Reststoffe sowie einzelner Stoffgruppen und Materialien an, wie zum Beispiel Fasern in einer definierten Qualität und der erforderlichen Menge. Grundlage dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Agrargesellschaften und Landwirten, um in jeder Phase des Prozesses die Einhaltung der wesentlichen Kriterien, zum Beispiel durch agrotechnische Maßnahmen zu garantieren. Somit bauen Agrarbetriebe im Auftrag der C.S.P GmbH beispielsweise Pflanzen an, die eine bestimmte Faserqualität erzeugen können. Da es sich bei den nachwachsenden Rohstoffen um lebende Organismen handelt und die Produktion im "freien" Spiel der Natur stattfindet, ist das insgesamt kein leichtes Unterfangen.

Annäherung an die Industrie

Wiesengrasanbau für die industrielle Nutzung © C.S.P.

Einen Arbeitsschwerpunkt innerhalb der Firmentätigkeit bildet die Beschaffung von definierten Fasern für NF-PP-Granulate (Melamin-Formaldehydharz-Polypropylen-Granulat), die im Spritzgussbereich eingesetzt werden. Ein deutsches Unternehmen produziert aus solchen grasfaserverstärkten Granulaten unter anderem Ablagekästen für Werkzeuge und Schrauben.

"Die Kurzfasern von Gräsern, wie zum Beispiel Bambus, Hirse, Miscanthus, Pfahlrohr, Roggen, Teichschilf, Zuckerrohr, sind für das Herstellen von NF-PP-Granulaten besonders geeignet, da sie meistens ohne zusätzliches Verschneiden integriert werden können", berichtet Günter Gäbler, Experte auf dem Gebiet der pflanzlichen Rohstoffe und Aufschlusstechnologien sowie Prokurist des Unternehmens.

Mit dem breiten Spektrum der Familie der Gräser, die über den gesamten Erdball verteilt sind und von niedrig wachsenden Wiesengräsern bis zu meterhohen Großgräsern reichen, kann das Unternehmen sehr gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verarbeitenden Industrie eingehen. Silierter Grünschnittroggen und Bagasse, als Reststoff aus der Zuckerrohrverarbeitung, sind dabei gute Beispiele für einen großvolumigen Industrieeinsatz.

Noch ist die Industrie zögerlich bei der Herstellung von Produkten mit integrierten pflanzlichen Rohstoffen. "Wir nähern uns aber mit dem gezielten Anbau von ausgewählten Pflanzen unter definierten Bedingungen beziehungsweise der spezifizierten Aufbereitung von pflanzlichen Reststoffen immer stärker an die Bedürfnisse der Industrie an", erklärt Gäbler. Denn eines steht fest: Nur wenn die geforderte Qualität und die erforderliche Quantität vertraglich abgesichert werden können, ist die Industrie bereit umzusteigen.

Fasern für die Baubranche

Die C.S.P. GmbH greift größtenteils auf Anbauflächen in Südosteuropa, wie in Ungarn und in Rumänien, aber auch in der Ukraine und in Russland zurück. Da pflanzliches Material im trockenen Zustand sehr leicht ist, wird regelmäßig geprüft, ob der Aufbau einer Erstverarbeitung am Standort im Interesse der Transportoptimierung möglich ist.

Aktuell laufen verschiedene Versuche, Pflanzenfasern auch im Bereich der Baustoffproduktion zu etablieren. So wird Häcksel von Miscanthus x giganteus (riesenwüchsiges Chinagras) in Betonelemente integriert, um das Gewicht der Elemente zu reduzieren, die Diffusionswerte zu verbessern und letztendlich auch Zement und Sand einzusparen. Solche Bauelemente können im Häuserbau und bei der Produktion von Lärmschutzwänden eingesetzt werden.

In Ghana wurde zu dieser Thematik ebenfalls ein Projekt begonnen. Hier werden Reststoffe, die Fasern aus den Blattspreiten der Ölpalme, genutzt. Weiterhin wird zurzeit ein Verfahren geprüft, mit welchem aus Grasfasern Vliese gelegt und diese zu Dämmmatten ausgeformt werden, um damit bei der Dachdämmung die Mineralwolle zu ersetzen. Durch die spezifischen Eigenschaften der Einzelfasern kann der Anteil an synthetischen Klebefasern verringert werden. Damit werden eine Kostenreduzierung und ein umweltgerechteres Recycling ermöglicht.

Insgesamt sehen die beiden Unternehmer bei den geplanten Einsätzen von nachwachsenden Rohstoffen in der Industrie keinen Konflikt zur ausreichenden Produktion von Lebensmitteln. "Wir konnten bisher immer erleben, dass es in den jeweiligen Ländern keine Probleme gibt ausreichend Lebensmittel zu produzieren, sondern dass es in der Regel an der Logistik und der nächsten Verarbeitungsstufe scheitert", so Tetzner. Allein in Deutschland müssten, laut der C.S.P., ohne die Produktion von pflanzlichen Rohstoffen für die weiterverarbeitende Industrie wieder mehr als 20 Prozent der Ackerfläche aus einer sinnvollen Nutzung ausgekoppelt werden.


Glossar

  • Polypropylen (Abkürzung: PP) ist ein thermoplastisches Polymer des Propylens (auch: Propens).

Glossar

  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • Polypropylen (Abkürzung: PP) ist ein thermoplastisches Polymer des Propylens (auch: Propens).
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