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Ein Programm zur Ausbildung von Bioökonomie-Experten

BBW ForWerts, das Graduiertenprogramm innerhalb des strategischen Forschungsprogramms Bioökonomie Baden-Württemberg, bietet Doktoranden ein dreijähriges interdisziplinäres Kurrikulum, mit dem sie ihr eigenes Forschungsprojekt vertiefen und Einblicke in andere Forschungsschwerpunkte der Bioökonomie gewinnen. Durch den interdisziplinären Ansatz, der auch die Vernetzung mit Industriepartnern und Forschungsinstitutionen einschließt, werden die für den Strukturwandel zu einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaft erforderlichen Kenntnisse und die damit verbundenen Herausforderungen vermittelt.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • Lignocellulose bildet das Strukturgerüst der pflanzlichen Zellwand. Sie besteht aus einer Kombination von Lignin, Hemicellulose und Cellulose.
  • Fossile sind aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit stammende Überreste von Tieren oder Pflanzen.
  • Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das bei der Zersetzung von Biomasse (Fäkalien, Bioabfall, Stroh u. a.) entsteht. Dabei wird das komplexe organische Material mit Hilfe verschiedener Mikroorganismen unter Luftabschluss hauptsächlich in Kohlendioxid und Methangas umgewandelt.
  • Drastische Änderung eines bisher vorhandenen Denkmusters. Durch die Änderung wird eine völlig neue Grundlage für die Wissenschaft und die Forschung geschaffen. In der Biologie wird zum Beispiel die Evolution als Paradigmenwechsel zur Schöpfung angesehen.
Die Teilnehmer der BBW ForWerts Summer School, Juli 2015 im Kloster Höchst, Odenwald. In der zweiten Reihe sitzend ganz rechts die Geschäftsführerin Dr. Ines Petersen und neben ihr Prof. Thomas Rausch, der Koordinator des Graduiertenprogramms. © BBW ForWerts

Wenn wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen nicht zerstören wollen, muss der Paradigmenwechsel von einer auf fossilen Energieträgern und Grundstoffen gestützten Wirtschaft zu einer nachhaltigen Bioökonomie auf der Basis erneuerbarer Biomaterialien jetzt eingeleitet werden. Dieser in der „2030 Agenda for Sustainable Development“ erhobenen Forderung stimmten 2015 in New York die meisten Staaten der Welt zu, und einige Monate später wurden auf der Weltklimakonferenz von Paris die Zielsetzungen für 2030 von allen UN-Mitgliedsstaaten bekräftigt. Skepsis ist aber angebracht, ob den Vorsätzen rasch angemessene Taten folgen werden. Deutschland sieht sich bei der Umsetzung der Bioökonomie-Agenda jedoch in einer Vorreiterrolle und hatte schon in den letzten Jahren strategische Programme auf Bundes- und Länderebene auf den Weg gebracht, mit denen die biobasierte Wirtschaft gestärkt werden soll.

Bioökonomie Baden-Württemberg: Erforschung innovativer Wertschöpfungsketten (BBW ForWerts)

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, im Gespräch mit Philippe Golfier, einem Doktoranden des BBW ForWerts Programms und Dr. Ines Petersen (rechts) bei der Nobelpreisträgertagung in Lindau 2015. © Staatsministerium Baden-Württemberg

Die Ausbildung einer neuen Generation von Wissenschaftlern, die sich den Herausforderungen einer nachhaltigen Bioökonomie stellen und als Multiplikatoren in der Gesellschaft wirken können, ist ein wesentliches Element für die Akzeptanz und Durchsetzung der neuen Wirtschaftsform. Deshalb fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg innerhalb des „Forschungsprogramms Bioökonomie Baden-Württemberg“ ein interdisziplinäres Graduiertenprogramm, an dem zur Zeit 47 hochqualifizierte Doktoranden teilnehmen, davon fünfzehn aus dem Ausland. Sieben von ihnen sind seit Herbst 2015 aus China mit einem Stipendium des „China Scholarship Council“ dabei. Jeder der jungen Wissenschaftler forscht für seine Doktorarbeit an einer von neun Forschungseinrichtungen des Landes über ein Thema, das im Rahmen des Programms Bioökonomie Baden-Württemberg zu einem von drei großen fächer-und standortübergreifenden Forschungsverbünden gehört: Lignozellulose, Biogas und Mikroalgen. Dabei geht es jeweils darum, die Bioökonomie entlang von Wertschöpfungsnetzwerken als integriertes System zu betrachten, wie auch aus dem Namen des Graduiertenprogramms mit dem einprägsamen Akronym BBW ForWerts („Bioökonomie Baden-Württemberg – Erforschung innovativer Wertschöpfungsketten“) hervorgeht.

Geleitet wird das Programm von Prof. Dr. Thomas Rausch als Koordinator und Dr. Ines Petersen als Geschäftsführerin am Center for Organismal Studies der Universität Heidelberg. BBW ForWerts bietet ein dreijähriges Kurrikulum mit der verpflichtenden Teilnahme an Summer Schools, Statusseminaren, Methodenkursen und Exkursionen. Es gibt mit seinem interdisziplinären Ansatz den Doktoranden nicht nur tiefere Einblicke in ihr eigenes Forschungsgebiet, sondern auch einen Überblick über andere Forschungsschwerpunkte der Bioökonomie; ein mehrwöchiger Aufenthalt an anderen (vorzugsweise ausländischen) Institutionen sowie die aktive Teilnahme an Fachkonferenzen sind obligatorisch. Der Austausch untereinander, aber auch mit Partnern an anderen wissenschaftlichen Instituten und in der Industrie sind wesentliche Programm-Bestandteile. „Die Verteilung der Doktoranden auf zahlreiche Institutionen war für uns die größte Herausforderung im Graduiertenprogramm, was die Betreuung und das Monitoring der Studenten schwierig machte,“, erklärt Petersen, „doch durch die Unterstützung, die wir von den Projektleitern ebenso wie von den Doktoranden in so hohem Maße erhielten, konnten wir diese Schwierigkeiten überwinden.“

BBW ForWerts Summer School in Kloster Höchst, Odenwald, 2015 © BBW ForWerts

Zu den Höhepunkten des Graduiertenprogramms gehören die Summer Schools mit Vorträgen von Experten und Diskussionsrunden, Gruppenarbeit und Präsentationen (Pitches) durch die Doktoranden. Bei der im Juli 2015 durchgeführten Summer School, die unter dem Titel: „Bioökonomie: Garant für nachhaltige Entwicklung?“ stand, setzten sich die Teilnehmer mit der Kritik auseinander, dass Bioökonomie für eine nachhaltige Entwicklung zwar notwendig ist, aber allein keine Nachhaltigkeit garantiert, wie viele Fehlentwicklungen der Vergangenheit – beispielsweise die Ausweitung der Monokulturen zur alleinigen Produktion von Biokraftstoffen – drastisch belegen. Die Doktoranden waren auch angehalten zu untersuchen, wie weit ihre eigenen Forschungsprojekte den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen.

Die nächste Summer School, die im August 2016 ebenfalls im Kloster Höchst (Odenwald) stattfindet, hat die „Internationale Perspektive der Bioökonomie“ zum Thema. BBW ForWerts und das strategische Programm Bioökonomie Baden-Württemberg sind als Teil eines Bündels von Maßnahmen zu sehen, mit dem der Paradigmenwechsel zu einer nachhaltigen Weltwirtschaft auf den Weg gebracht werden soll.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • Lignocellulose bildet das Strukturgerüst der pflanzlichen Zellwand. Sie besteht aus einer Kombination von Lignin, Hemicellulose und Cellulose.
  • Fossile sind aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit stammende Überreste von Tieren oder Pflanzen.
  • Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das bei der Zersetzung von Biomasse (Fäkalien, Bioabfall, Stroh u. a.) entsteht. Dabei wird das komplexe organische Material mit Hilfe verschiedener Mikroorganismen unter Luftabschluss hauptsächlich in Kohlendioxid und Methangas umgewandelt.
  • Drastische Änderung eines bisher vorhandenen Denkmusters. Durch die Änderung wird eine völlig neue Grundlage für die Wissenschaft und die Forschung geschaffen. In der Biologie wird zum Beispiel die Evolution als Paradigmenwechsel zur Schöpfung angesehen.
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