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JRS - Mit Faserstoffen Nachhaltigkeit schaffen

Um Tabletten zu sprengen, Substanzen zu verbinden oder Stoffe zu ummanteln werden häufig Faserstoffe eingesetzt. Die J. RETTENMAIER & SÖHNE GmbH+Co.KG bietet seit 1878 Pflanzenfasern, Zellstoff und Cellulose in einem vielfältigen Portfolio für die unterschiedlichsten Branchen an. Um den nachhaltigen Fortschritt mit aufzubauen, wird das Unternehmen die Fasern aus der Natur nun auch für Biokunststoffe anwenden.

Fasern aus der Natur ist das Motto von JRS © JRS

Die J. RETTENMAIER & SÖHNE GmbH+Co.KG (JRS) ist ein Familienunternehmen mit langer Tradition im Bereich der Pflanzenfasern. Was vor 133 Jahren mit einer Holzmühle und der späteren Produktion von Holzfasern begann, ist 2011 eine internationale mittelständische Unternehmensgruppe, die sich der Forschung, Entwicklung und Verarbeitung hochwertiger, organischer Faserstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen verschrieben hat. Mit 17 Produktionsstandorten in Deutschland, Finnland, USA, Indien, Mexiko und Großbritannien ist JRS weltweit vertreten. Zu den verarbeiteten Fasern gehören Cellulose, Getreide- und Fruchtfasern oder Holzfasern, die in zahlreiche Produkte wie zum Beispiel Katzenstreu, aber auch im Automobilbau und der Kunststoffverarbeitung Einzug erhalten.

Kraftstoffverbrauch senken

ARBOCEL UFC 100 ist weltweit die feinste auf dem Markt erhältliche Cellulosefaser. Die Faserlänge beträgt ca. 8 µm. © JRS

Die Kunststoffverarbeitung ist auch das nächste Ziel der JRS-Entwicklungsarbeit. Nachdem die Faserstoffe ARBOCEL und LIGNOCEL bereits in der Kunststoffverarbeitung für Thermo- und Duroplaste etabliert sind, möchte das Unternehmen den nächsten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Harald Schlosser, Leiter des Geschäftsbereichs Innovationen und Business Development möchte durch eine Anwendung in den Biokunststoffen neue Märkte erschließen. „Wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir nachhaltig arbeiten“, so Schlosser. Mit den beiden Faserstoffen werden in der Automobilindustrie bisher Kunststoffteile mit deutlich geringerem Gewicht hergestellt, so dass weniger Kraftstoffverbrauch verbraucht wird. „Ich kann mir hier auch gut Polymilchsäure mit 20 Prozent Cellulose im Auto vorstellen“, so Schlosser. Die Anwendung der Pflanzenfasern in Biokunststoffen ist Teil der Philosophie des Unternehmens. Denn mit der Slogan „Fasern aus der Natur“ hat JRS ebenfalls den Anspruch, verantwortungsbewusst mit deren Ressourcen umzugehen. So lassen sich viele der JRS-Produkte in den biologischen Kreislauf zurückführen oder in eine weitere Produktstufe überführen.

„Neue Entwicklungen möchten wir gemeinsam mit unseren Kunden angehen, um den unterschiedlichen Anforderungsprofilen gerecht zu werden“, erklärt Schlosser. Mit den betriebseigenen Laboren und Fertigungseinrichtungen kann JRS optimal auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen. Das Unternehmen entwickelt bereits einige zukunftsträchtige Projekte auf dem Gebiet der Biopolymere. Der Cluster Biopolymere/Biowerkstoffe bietet JRS, laut Schlosser, daher interessante Möglichkeiten, sein Engagement auf dem Gebiet auszuweiten.

ARBOCEL B 400 ist eine grobe Cellulosefaser mit einer Faserlänge von ca. 1000 µm. © JRS

Die Faserstoffe des Unternehmens werden bereits in etlichen Bereichen der chemischen Industrie eingesetzt. So findet man ARBOCEL und LIGNOCEL Faserstoffe als Funktions- oder Füllstoffe in Verkleidungen, Dämmmatten, Kunstlederbezügen und anderen Bauelementen, um deren funktionale Eigenschaften sowie Stabilität und Oberflächenstruktur zur erhalten. Des Weiteren wird die Hydroxypropyl-methyl-Cellulose von JRS (HPMC) als Suspensionsmittel für die PVC-Herstellung (Polyvinylchlorid) verwendet. HPMC stabilisiert die Suspension, indem es verhindert, dass sich die einzelnen PVC-Partikel zusammenballen. Auch in der Bauchemie werden Produkte durch JRS-Fasern modifiziert. So werden Cellulosefasern für Putze, Fliesenkleber sowie Fugen- und Spachtelmasse verwendet.

Cellulose als Hilfsstoff in der Pharma-Industrie

Mit seinen zahlreichen Anwendungsgebieten zeigt JRS, dass sich das Unternehmen bestens darauf versteht, Faserstoffe in die verschiedensten Industriezweige einzubringen. Bei dem Produkt VITACEL handelt es sich um pflanzliche Faserstoffkonzentrate mit einem Gesamtballaststoffgehalt von bis zu 98 Prozent. Sie sind unter anderem als Kartoffel-, Weizen-, Hafer- und Apfelfasern auf dem Markt und werden zur Ballaststoffanreicherung von Lebensmitteln verwendet. Ballaststoffreiche Nahrung wird in diätetischen Lebensmitteln eingesetzt, da zum einen ein längeres Sättigungsgefühl einsetzt und zum anderen der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt.

Die JRS PHARMA stellt Hilfsstoffe für die pharmazeutische Industrie her. „Wir liefern den pharmazeutischen Kunden einen Produktcocktail, zu dem sie nur noch ihren Wirkstoff hinzufügen müssen“, erklärt Schlosser. Mikrokristalline Cellulose ist der Arzneistoffträger, der eine hohe Beladung mit Wirkstoffen ermöglicht. Die Cellulose erfordert zudem keine komplexe Handhabung, sondern kann während der Tablettenherstellung einfach verpresst werden. Damit die Tabletten in einer flüssigen Umgebung den Wirkstoff freigeben, werden diesen sogenannte Sprengmittel zu gesetzt. JRS bietet mit seinen Natrium-Stärke-Glykolaten zahlreiche Verbindungen zur Wirkstofffreisetzung an. Um den Kunden eine gleichbleibende gute Qualität zu bieten, produziert JRS nach GMP-Standards sowie den QS-Zertifizierungen für Lebensmittel. Durch eine regelmäßige Kontrolle der Qualität der Pflanzenfasern werden so hohe gleichbleibende Standards für die Produkte erreicht.

Glossar

  • Cellulose ist ein wasserunlösliches Polysaccharid, das den Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwand bildet. Die Grundeinheit der Cellulose ist die Glucose.
  • Eine Suspension ist eine heterogene Mischung aus festen Teilchen (z.B. Zellen) und einer Flüssigkeit.
  • Good Manufacturing Practise. Eine Sammlung an Richtlinien zu Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.

Glossar

  • Polyhydroxyalkanoate (PHA) sind Polyester bakterieller Herkunft, die den Mikroorganismen als Reservestoffe dienen. Sie können industriell als Verpackungs- oder Implantatmaterialien eingesetzt werden.
  • Polylactide (auch Polymilchsäuren, PLA) sind Polymere aus Milchsäure. Sie werden zum einen in der Verpackungsindustrie eingesetzt und sind zum anderen interessant für medizinische Anwendungen, da es sich sich um einen biologisch abbaubaren Kunststoff handelt.
  • Cellulose ist ein wasserunlösliches Polysaccharid, das den Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwand bildet. Die Grundeinheit der Cellulose ist die Glucose.
  • Eine Suspension ist eine heterogene Mischung aus festen Teilchen (z.B. Zellen) und einer Flüssigkeit.
  • Good Manufacturing Practise. Eine Sammlung an Richtlinien zu Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/jrs-mit-faserstoffen-nachhaltigkeit-schaffen/