Powered by
Junge Innovatoren

Nachgefragt: Gründerin Nadine Antic im Interview

Mit Unterstützung der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH und der Plattform Umwelttechnik e.V. konnten die Geschäftsführerinnen der GlobalFlow GmbH 2013 die Fördermittel "Junge Innovatoren" gewinnen. Dieses Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg bietet ausgründungswilligen jungen Hochschulabsolventen die Chance ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln. BIOPRO hat in einem Interview nachgefragt, was aus dem Projekt geworden ist. Die Fragen an Nadine Antic, Geschäftsführerin GlobalFlow GmbH und albfertil GmbH, stellte Ursula Göttert.

Frau Antic, Sie haben Ende 2013 eine Förderung durch das Programm Junge Innovatoren erhalten. Was war das Ziel Ihrer Projektidee SeNaFlora?

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
Nadine Antic, Geschäftsführerin GlobalFlow GmbH und albfertil GmbH © GlobalFlow GmbH

Unser Ziel war es, eine Entsorgungstechnik zu entwickeln, bei der biogene Abfälle verarbeitet werden und die am Ende ein hochwertiges Produkt hervorbringt. Wichtig war uns, dass dann auch wirklich ein Upcycling vorliegt und nicht nur ein Recycling oder Downcycling stattfindet.

Sie haben nun die albfertil GmbH gegründet, ein Start-up aus dem Start-up GlobalFlow heraus. Warum haben Sie sich für diese Lösung entschieden?

Beide Themen in einem Unternehmen passen nicht so ganz perfekt zusammen. GlobalFlow erbringt ja eine Beratungsdienstleistung und albfertil bietet dazu die Entsorgungstechnik. Wenn ich also jemand berate, dahin zu gehen, wo meine Entsorgungstechnik ist, dann hakt das ein bisschen. Und zum anderen haben wir durch die Entkopplung ganz andere Möglichkeiten mit Investoren und Partnern zu agieren. Hier bestand kein Interesse an der Beratungsleistung. Die Trennung in zwei Unternehmen ermöglicht uns nun einen ganz anderen Spielraum.

Wann und wo ist die Firma albfertil GmbH gestartet?

Im Prinzip war die Firma ja unter GlobalFlow schon aktiv. Offiziell gegründet worden ist sie dann im September 2015. Wobei wir ja davor schon produziert und daran gearbeitet haben. Unser Partner mit einem Anteil von 50 Prozent ist die Firma Korn Recycling, ein Entsorgungsfachbetrieb, weil die Synergien hier einfach enorm sind. Als Standort wurde Engstingen auf der Alb gewählt. Dieser Standort wurde von Korn Recycling neu gekauft und wird jetzt neu erschlossen. Da bot sich die Installation eines neuen Projektes an.

Das Projekt lief jetzt ja knapp zwei Jahre. Wo lagen denn die Hauptschwierigkeiten?

Zum einen die Entwicklung eines Start-ups aus einem Start-up heraus. Dies war nicht unbedingt einfach. Zum anderen überhaupt das gesamte Projektmanagement der Anlagentechnik. Dies war einfach ein Bereich, mit dem wir noch nie etwas zu tun hatten. Und dann gab es in jeder Phase des Projektes gewisse Hürden, die wir überwinden mussten. Sei es die Finanzierung des gesamten Projektes, sei es der Standort. Ein Riesenproblem war es, in Stuttgart einen Standort zu finden für die Verarbeitung von biogenen Abfällen in großen Mengen, der bezahlbar ist und der mit einem LKW kontinuierlich angefahren werden kann. Auch die Frage der Genehmigung ist ein Riesenthema gewesen. Und dann natürlich der Produktionsprozess an sich und die Qualitätssicherung im Prozess. Wobei das eher Punkte waren, auf die ich mich eingestellt hatte. Was die Finanzierung und die Standortsuche betrifft, dass dies so lange dauern würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Und ein weiterer Punkt ist, dass die Düngemittelsaison immer im Frühjahr und Sommer ist. Und wenn man die verpasst, dann muss man aufs nächste Jahr warten. Das waren alles schon Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten.

Sie sind ja innerhalb des Förderprogramms Junge Innovatoren mit Ihrer Idee gestartet. Würden Sie denn sagen, dass diese Vorgehensweise generell eine gute Möglichkeit ist für Hochschulabsolventen, um ihre Geschäftsidee auszutesten und weiterzuentwickeln?

Durch den finanziellen Rückhalt über die Förderung hatten wir überhaupt erst die Möglichkeit, diese Idee zu entwickeln. So hatten wir ja quasi ein Budget, mit dem wir arbeiten konnten. Durch die Jungen Innovatoren hatten wir die Luft, dass wir auch noch die Technik und das Produkt weiterentwickeln konnten. Also war die Förderung essenziell für den Erfolg und die Tatsache, dass wir jetzt so weit gekommen sind. Generell kann ich nur betonen, dass die starke Förderung sowohl durch das Land Baden-Württemberg als auch durch die L-Bank uns sehr geholfen hat.

Sie haben ja ganz am Anfang Ihrer Idee auch eine Technologieberatung durch die BIOPRO und die Plattform Umwelttechnik erhalten. Würden Sie sagen, dass war ebenfalls von Vorteil?

Ja, das war auf jeden Fall ein großer Vorteil. Denn da konnten wir einfach die Herangehensweise sehen von jemandem, der schon im Thema drin ist und der sich mit den Themen eben auskennt. Wir sind dadurch viel sicherer geworden. So war es auch hilfreich zu sehen, wie kalkulieren wir die Anlage. Ich war mir hier am Anfang sehr unsicher. Und so wurde uns gezeigt, wie man vorgeht und wie man es so einfach und effizient wie möglich macht. Ich hätte angefangen, jede Schraube aufzuzählen und zu berechnen. Und das war dann schon sehr sinnvoll, hierbei Hilfestellung zu erhalten.

Was haben Sie denn als Nächstes geplant? Wie soll es weitergehen?

Also wir sind derzeit dabei die Anlage zu bauen. Was wir jetzt als Nächstes planen, ist natürlich der Markteintritt in der nächsten Düngemittelsaison und die Erweiterung der Anlage. Momentan wird sie auf 150 Tonnen Jahresproduktion ausgelegt, aber langfristig ist das Ziel, 10.000 Tonnen Jahresproduktion zu erreichen.

Und welche Substrate für die Wurmkompostierung werden momentan eingesetzt?

Unsere Lieferanten momentan stellen uns Büffelmist, Pferdemist und ein bisschen was aus der Lebensmittelproduktion zur Verfügung.

Sie sind aber im Prinzip offen für neue Substrate?

Wenn uns jemand einen biogenen Abfall anbietet, dann untersuchen wir das Substrat und entwickeln darauf basierend die Mischung, die die richtige Nährwertzusammensetzung hat. Wir haben unsere Rezepturen, um einen bestimmten Dünger für eine bestimmte Anwendung festzulegen. So entwickeln wir zum Beispiel momentan einen Rosendünger und einen Bonsaidünger. Bei diesen sind die Nährwerte entsprechend auf den Bedarf der jeweiligen Pflanzen ausgelegt. Zur Zeit befinden wir uns zudem im Biozertifizierungsprozess, damit der Dünger auch im biologischen Landbau angewendet werden kann.

Hätten Sie denn noch Ratschläge für zukünftige Existenzgründer? Als „Doppel-Existenzgründerin" sollten Sie sich ja nun bestens auskennen, worauf es ankommt.

Ich kann dazu nur sagen: Man kann viel planen, aber am Ende kommt es garantiert nicht so, wie man es geplant hat. Außerdem sind Pläne super, aber ohne Arbeit nichts wert. Was dann noch ganz wichtig ist: Man muss durchhalten und das Unternehmertum mit all seinen Höhen und Tiefen leben.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/nachgefragt-junge-innovatorin-nadine-antic-im-interview/