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nadicom GmbH überführt Mikroben

Mikroskopisch kleines Leben ist überall - auch dort, wo es nicht sein sollte. Bakterien und einzellige Pilze können Lebensmittel verderben, Pflanzen befallen, ganze Produktionsanlagen zum Stillstand bringen. Auch die Pharmaindustrie fürchtet Kontaminationen. Die in Karlsruhe angesiedelte nadicom Gesellschaft für angewandte Mikrobiologie mbH bietet Unternehmen und Umweltbehörden eine ganze Palette von Dienstleistungen an, um der Omnipräsenz von Mikroorganismen Herr zu werden. Die Forscher um Dr. Bernhard Nüsslein analysieren zum Beispiel Umweltproben. In anderen Fällen leiten sie „kriminologische“ Untersuchungen ein, um Saboteuren auf die Spur zu kommen.

Die Industrie fürchtet sie: Bakterien, aber auch wie hier Schimmelpilze können sich an verschiedenen Stellen der Produktion einnisten. © nadicom

Immer wieder kam bei einem Pharmaunternehmen die Produktion zum Stillstand. An einem Fermenter, in dem tierische Zellen kultiviert werden, waren die Anschlüsse durch Bacillus cereus kontaminiert. Warum tauchten die Bakterien immer wieder von Neuem auf? Durch welches Schlupfloch gelangten sie in die sensiblen Teile der Apparatur? In solchen Fällen sind die Experten von der in Karlsruhe residierenden nadicom Gesellschaft für angewandte Mikrobiologie mbH die Profiler der Wahl. Spurensicherung mit modernsten molekularbiologischen Methoden. Hat einer der Angestellten die Bakterien eingeschleppt? War bereits eine der Chemikalien kontaminiert? „Wir untersuchten verschiedene Isolate der Bakterien aus verschiedenen Bereichen der Produktion“, sagt Dr. Bernhard Nüsslein, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. „Es gelang uns, verschiedene Bakterienstämme voneinander zu differenzieren und Schritt für Schritt die Quelle der Kontamination zu finden.“ Mit den durchgeführten Veränderungen am Fermenter verschwand der Befall vollständig.

Mikroben sind überall

Dr. Bernhard Nüsslein, Gründer und Geschäftsführer der nadicom Gesellschaft für angewandte Mikrobiologie mbH © privat

Die Idee zur Gründung eines Dienstleisters im mikrobiologischen Bereich hatte Nüsslein schon während seiner Promotion und seiner Postdoc-Zeit am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. In dieser Zeit beschäftigte sich der studierte Biologe schon mit Mikroben und erweiterte das Portfolio seiner molekular- und mikrobiologischen Methoden. Aber er lernte in Kooperationen mit Unternehmen auch die Industrie kennen. „Ich habe mich schon immer selbstständig machen wollen“, sagt Nüsslein. Als 2002 die politischen Rahmenbedingungen für Ausgründungen an den MPIs geschaffen wurden, nutzte er den Moment. Zu Beginn bot die nadicom ihren mikrobiologischen Service hauptsächlich im Umweltbereich an, etwa bei Analysen von Bodenproben und der Charakterisierung der darin lebenden Bakterien und Pilze. „Relativ schnell erweiterten wir das dann auf einen mikrobiologischen Service für Pharmaunternehmen“, sagt Nüsslein. Heute bearbeitet die nadicom Projekte im Umweltbereich, für Pharmafirmen, für die chemische Industrie, für den Lebensmittel- und Kosmetikbereich sowie im Bereich von Gebäuden, etwa wenn es darum geht, Schimmelpilzbefall zu analysieren.

Zur quantitativen Analyse von Mikroorganismen empfiehlt die nadicom molekularbiologische Methoden wie etwa die Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung (FISH), bei der mit einem Fluoreszenzfarbstoff markierte DNA-Sonden eingesetzt werden © nadicom

„Unsere Methoden stammen zum einen aus der klassischen Mikrobiologie“, sagt Nüsslein. „Hauptsächlich haben wir uns aber auf moderne molekularbiologische Verfahren spezialisiert.“ In kürzester Zeit sind Nüsslein und Co. in der Lage, eine Bestandsaufnahme der in einer Probe befindlichen Bakterien oder Pilze mittels PCR zu bestimmen, und zwar sowohl rein qualitativ als auch quantitativ. Durch molekulares Fingerprinting, bei dem im Prinzip ein genaues genetisches Profil von Organismen erstellt wird, können die Forscher jeden einzelnen Mikroorganismus in einer Probe individuell identifizieren. Der Einsatz von bioinformatischen Ansätzen wie etwa dem Softwarepaket TREE zur phylogenetischen Einordnung von Mikroorganismen komplettiert die Labormethoden. Dabei ruhen sich die Experten nicht auf etablierten Verfahren aus, sondern entwickeln sie auch ständig weiter und forschen an neuen. In diesem Zusammenhang arbeitet die nadicom eng mit der universitären Arbeitsgruppe für Mikrobiologie von Prof. Dr. Reinhard Fischer vom Institut für Angewandte Biowissenschaften am Karlsruhe Institute for Technology (KIT) zusammen, der Mitgesellschafter des Unternehmens ist. Eine Kooperation, die durch die räumliche Nähe profitiert, denn das Labor der nadicom ist im selben Gebäude.

Sichere Abläufe und gute Entwicklungschancen

Die biotechnologische Forschung umfasst die Entwicklung und Optimierung von Produktionsstämmen, die gezielte mikrobielle Stimulation des Pflanzenwachstums und die Isolierung und Kultivierung von Mikroorganismen. Ein aktuelles Projekt am KIT untersucht oberflächenaktive Proteine und deren Einfluss auf die Bildung von Biofilmen.

Moderne Sequenzierungsmethoden werden auch in Zukunft Bakterien und Pilze überführen. © nadicom

Seit 2005 ist das Labor der nadicom in Karlsruhe. Seit 2008 verfügt es über ein Zertifikat für Good Manufacturing Practice (GMP), das eine hohe Qualität und Sicherheit der Arbeitsabläufe bescheinigt und unerlässlich ist für Auftragsarbeiten im Rahmen der Pharmaindustrie. „Unsere Kunden gehören eher zu den Großen ihrer Branche“, sagt Nüsslein. Die Marktentwicklung der nadicom sei laut Nüsslein in diesem Jahr sehr positiv gewesen. Zu den fünf Mitarbeitern werde nächstes Jahr noch ein sechster dazu kommen. Der Pharmabereich ist momentan das Hauptarbeitsgebiet der nadicom. Für die Zukunft zeichnen sich aber auch immer mehr Aufträge ab, bei denen es um die Identifizierung und Quantifizierung von Mikroorganismen im Bereich der Pflanzen-Mikroben-Interaktionen geht. Mikroskopisches Leben ist überall. Und Profiler wie die nadicom werden immer gefragt sein.

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