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Prozesswassertechnologien in produzierenden Unternehmen

Die Landesagentur Umwelttechnik BW veranstaltete zusammen mit der Stadt Böblingen und der Plattform Umwelttechnik e.V. am 26. September 2013 das Forum Umwelttechnik zum Thema Prozesswasser. Rund 70 Teilnehmer konnten sich anhand vieler Beispiele darüber informieren, wie Produktionsprozesse so gestaltet werden können, dass im besten Falle keinerlei Abwasser mehr anfällt oder falls doch, wie dieses intelligent aufbereitet werden kann.

Rund 70 Teilnehmer informierten sich über die Optimierung von Prozesswassertechnologien. © Umwelttechnik BW

Dass das Thema Wasser nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Kommunen von Bedeutung ist, betonte der Oberbürgermeister der Stadt Böblingen, Wolfgang Lützner, in seinem Eingangsvortrag. Für rund 700.000 Euro leistet sich die Stadt in ihrem Teilort Dagersheim ein Unterdruckentwässerungssystem. Dieses sei zwar zunächst in punkto Investition teurer. Langfristig aber könne Geld gespart und die Umwelt geschont werden, da wesentlich weniger Wasser benötigt würde. Begleitet wird die Stadt dabei vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik.

Um möglichst viel Einblick in das Themengebiet Prozesswasser zu geben, wählten die Veranstalter die Präsentationen in Form von sogenannten Elevator Pitches. Dreizehn Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft informierten in fünf- bis zehnminütigen Kurzvorträgen, welches Angebot sie jeweils im Hinblick auf eine Prozesswasserbehandlung anzubieten haben. In den Pausen zwischen den Vorträgen konnten aufgekommene Fragen diskutiert oder erste Kontakte für zukünftige Kooperationen geknüpft werden.

Emissionen stammen zum Großteil aus den Produkten selbst

Zuvor hatte Dr.-Ing. Felix Tettenborn vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in seinem Übersichtsvortrag zu den Trends der industriellen Wassernutzung darauf hingewiesen, dass die Emissionen von Umweltschadstoffen in Gewässer aus der industriellen Produktion deutlich zurückgegangen sind. Über 95 % der Emissionen stammen heutzutage aus den erzeugten Produkten selbst. Ein weiterer Trend, der sich abzeichnet, ist ein allgemeiner Rückgang an Patenten im Bereich neue Technologien zur Wasserbehandlung. Einzige Ausnahme: Die Zahl an Patenten zur Erhöhung der Wassernutzungseffizienz nehmen im Vergleich zu früheren Jahren noch zu.

Eine Fülle an verschiedensten Techniken zur Prozesswasserbehandlung bzw. zum Prozesswasserrecycling wurden anschließend vorgestellt. Angefangen von Verfahren zur Wärmerückgewinnung aus kommunalen oder industriellen Abwässern über den Einsatz von Regenwasser bis hin zu biotechnologischen Verfahren. So kann beispielsweise ab 2015 im neu gebauten Wassertechnikum des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart eine Vielzahl an Demonstrator-Anlagen zur Wasserbehandlung besichtigt werden. Die Firma WEHRLE Umwelt GmbH aus Südbaden stellte ein kombiniertes Konzept zur Aufbereitung von Reststoffen aus der Verwertung von Biomasse vor. Eine bedeutende Rolle spielt hierbei der Einsatz von Membranbioreaktoren zur Aufbereitung der Prozesswässer. Ein Thema, dass vor dem Hintergrund einer sich neu entwickelnden Bioökonomie zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Bereits jetzt sind allein rund 16 Mio. Tonnen Gärreste jedes Jahr in Deutschland übrig, die nicht unbedingt immer auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden können. Da Gärreste zum Großteil aus Wasser bestehen, sind auch hier Maßnahmen zur Wasseraufbereitung hilfreich. Die Firma WEHRLE Umwelt GmbH hat in Großbritannien bereits eine solche Totalaufbereitungsanlage realisiert - für ein Unternehmen, das Antibiotika herstellt.

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