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Rückblick: Kick-off-Meeting der „tbdc“ findet große Resonanz

Die „textile bio-based materials design challenge (tbdc)“ ist am 13. Dezember 2011 erfolgreich gestartet. Mehr als 90 Forscher, Designer, Produzenten und Anwender mit Bezug zur Faser- und Textilindustrie kamen zum Kick-off-Meeting nach Stuttgart. Ziel der einjährigen Challenge ist, nachhaltige Textilprodukte zu entwickeln sowie biobasierte Materialien an neue Einsatzgebiete anzupassen.

Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, erläutert die Ziele des Clusters Biopolymere/Biowerkstoffe. © BIOPRO/ Groß

Die Auftaktveranstaltung bot allen Teilnehmern einen Überblick über biobasierte Materialien, die bereits im Textilbereich eingesetzt werden oder aber zukünftig Einzug in die Textilbranche halten könnten. In seiner Einführungsrede erklärte Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg: „Im Rahmen dieses Kick-off-Meetings haben Sie die Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen. Und vielleicht, ohne dass ich gleich zu viel verlangen möchte, aber vielleicht formen sich ja auch schon erste Projektideen in ihren Köpfen“. Er definierte drei Ziele für die Challenge: Den Zugang zu Informationen vereinfachen, neue Produkte aus biobasierten Materialien entwickeln und das Bewusstsein für biobasierte Materialien stärken. Dabei sei die Challenge als Herausforderung und nicht als Wettbewerb zu sehen. „Forscher, Designer, Produzenten und Anwender müssen diese Herausforderung gemeinsam annehmen; es ist zwar nicht ganz einfach, alle unter einen Hut zu bringen, aber nur so können am Ende wettbewerbsfähige Produkte entstehen“, so Dr. Ralf Kindervater.

Das Vortragsprogramm, das auf die Eröffnungsrede von Kindervater folgte, beleuchtete das Thema „biobasierte Materialien in der Textilbranche“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dr. André Lehmann vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymer forschung (IAP) gab zunächst einen Überblick über biobasierte Materialien in textilen Einsatzgebieten, und Dr. Martin Dauner vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) Denkendorf lenkte den Blick auf traditionelle und zukünftige biobasierte Faserwerkstoffe in der textilen Welt.

Die Aussteller C.S.P GmbH, ITV Denkendorf, AFBW und BIOPRO im Gespräch mit den Kick-off-Besuchern. © BIOPRO/ Groß
Über 90 Teilnehmer besuchten die "tbdc" Kick-off-Veranstaltung. © BIOPRO/ Groß

Von nachhaltigen Möbeln und dem Nutzen der modernen Biotechnologie

Die gelernte Architektin Tina Kammer stellte den gemeinsam mit ihrer Partnerin Andrea Herold gegründeten Online-Shop „InteriorPark.“ vor. Auf der Plattform werden nachhaltige Design-Möbel und Wohnaccessoires von Designern aus ganz Europa angeboten. Sogenannte „Eco-Icons“ informieren über soziale und umweltbezogene Aspekte der Produkte. In ihrem Vortrag zeigte Tina Kammer unter anderem gestrickte und in Harz getränkte Lampenschirme sowie Stühle aus alten Weinfässern oder gepresstem Stroh.

Einen Einblick in seine Forschungsarbeiten gab Prof. Thomas Scheibel vom Lehrstuhl Biomaterialien der Universität Bayreuth. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Charakterisierung, Herstellung und Funktionalisierung von Biopolymeren wie Spinnenseide oder Muschelfasern (Muschelbyssus). In seinem Vortrag zeigte Scheibel, wie Spinnenseidenproteine biotechnologisch produziert und anschließend zu Spinnenseidenfäden verarbeitet werden können.

Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen: Ingeo TM und TENCEL

Werner Tißen präsentiert die Einsatzgebiete, Eigenschaften und Verarbeitungsempfehlungen der PLA- Synthesefaser. © BIOPRO/ Groß

Werner Tißen von der DySTAR Colours Distribution GmbH, einem Produzenten von Farbstoffen für die Textilindustrie, stellte die Faser„Ingeo TM“ vor. Die Polymilchsäure-Synthesefaser der Firma NatureWorks LLC besteht zu 100 Prozent aus jährlich nachwachsenden Rohstoffen (Mais). Tißen beschrieb die Eigenschaften und Einsatzgebiete der Faser und zeigte, was bei der Verarbeitung zu beachten ist.

Eine weitere Faser aus nachwachsenden Rohstoffen stellte Dr. Friedrich Suchomel von der Lenzing AG vor. Die TENCEL-Faser der Lenzing AG besteht aus Cellulose, dem Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände. Die Faser wird zur Herstellung verschiedener Stoffe und Funktionsartikel oder für technische Anwendungen eingesetzt.

Recherchesystem für Fasern und Ökobilanzen biobasierter Materialien

Tobias Maschler vom Deutschen Institut für Textil- und Faserforschung (DITF) präsentierte bei der Veranstaltung das „DITF-Recherchesystem zum Teilen von Wissen“. Es handelt sich dabei um eine neuartige Datenbank, in die relevante Faser-Daten nach dem Wiki-Prinzip eingepflegt werden. Diese können dann mehreren Nutzern zur Verfügung gestellt werden.

Im letzten Vortrag der Veranstaltung befasste sich Torsten Rehl von PE International mit der Ökobilanz von biobasierten Materialien. In Bezug auf bestimmte Wirkungskategorien wie Treibhauspotenzial oder Energiebedarf würden nachwachsende Rohstoffe häufig besser abschneiden als konventionelle Rohstoffe. In eine Ökobilanz fließen aber noch viele weitere Faktoren ein, wie Ozonabbau- oder Versauerungspotenzial. Um ein Produkt zu bewerten, sei es daher sehr wichtig, nicht nur einzelne Aspekte, sondern den ganzheitlichen Ansatz zu betrachten, betonte Rehl.

Die Referenten


Neben dem vielseitigen Vortragsprogramm gehörten auch eine Ausstellung und eine Tischmesse zu der Veranstaltung. Hier wurden verschiedene biobasierte Materialien präsentiert und Produkte vorgestellt, die aus diesen nachhaltigen Materialien bestehen oder die künftig daraus hergestellt werden könnten. Die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen, wurde von den Teilnehmern rege genutzt. Von vielen Seiten erhielten die Veranstalter positive Rückmeldungen zu diesem Kick-off-Meeting, und die Teilnehmer zeigten vielfaches Interesse, weiterhin an der Challenge mitzuwirken.

Impressionen aus Ausstellung und Tischmesse


Ablauf der einjährigen Projektphase

Im Anschluss an das Kick-off-Meeting wird allen Teilnehmern ab Januar 2012 eine Online-Partnering-Plattform zur Verfügung gestellt, auf der neue Projektideen eingestellt werden können. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sich in themenoffenen und themenspezifischen Partnering-Workshops direkt auszutauschen. Interessierte können sich jederzeit zur Teilnahme an der Challenge registrieren.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/rueckblick-kick-off-meeting-der-tbdc-findet-grosse-resonanz/