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Rückblick: Lehrerkongress der chemischen Industrie in Baden-Württemberg

Mehr als 200 Besucher nahmen am diesjährigen, von den Chemie-Verbänden Baden-Württemberg veranstalteten Lehrerkongress der chemischen Industrie teil. Sie informierten sich in Infoforen, Experimentalvorträgen und auf dem Markt der Möglichkeiten über aktuelle Themen und Entwicklungen. Auch die BIOPRO Baden-Württemberg war mit einem Stand vertreten.

Der Lehrerkongress der chemischen Industrie ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil im Fortbildungskalender von Pädagogen verschiedenster Fachrichtungen. So fanden die Lehrer auch dieses Jahr den Weg in das Konzerthaus Freiburg und informierten sich über das Fach Chemie und die Naturwissenschaften allgemein.

Dr. Tobias Pacher, Leiter des Dialogs Schule bei den Chemie-Verbänden, eröffnete und führte durch den Kongress. Anschließend übergab er das Begrüßungswort an Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer des Fonds der Chemischen Industrie, der sich mit zwei Hauptthemen an die Lehrerinnen und Lehrer wandte.

„Jede dritte Schulstunde sollte ein MINT-Fach sein“

Dr. Gerd Romanowski übergibt den Preis "Dialog Schule" an den Preisträger Ingo Kilian. © Chemie-Verbände Baden Württemberg

Zum einen wurde für die Förderaktivitäten des Fonds im Bereich des Chemieunterrichts geworben, von denen Lehrer bereits seit 2001 profitieren. Das Ziel ist es, den Unterricht hochwertiger und spannender zu gestalten und junge Menschen für MINT-Fächer zu begeistern. Dafür gibt es Unterrichts-, Lehrer- und Schülerförderungsprogramme. Lehrreiche Experimente seien in der Chemie das „Salz in der Suppe", welches Qualität und dadurch viel Geld erfordere. So wurden bis Ende 2014 an Schulen über 7.000-mal Zuschüsse für Geräte und Chemikalien gewährt.

Zum anderen sprach Romanowski über die Bildungs- und Schulpolitik in Deutschland. Die (Aus-)Bildung junger Menschen, sie zu begeistern und zu fördern, fange bei den Lehrern an. Damit Deutschland in der Chemie- und Pharmabranche wettbewerbsfähig bleibe, müssten Pädagogen schon heute für morgen sorgen, denn der Wohlstand basiere auf Fortschritt. Diesem kann man mit mehr Unterricht in MINT-Fächern entgegenkommen: "Jede dritte Schulstunde sollte ein MINT-Fach sein", so Romanowski.
Nicht nur dem Fachkräftemangel, auch dem demografischen Wandel mit der Flüchtlingskrise müsse mit Integrationsarbeit in der Bildung entgegengewirkt werden. Weil Lehrer dabei an vorderster Front stünden, müssten diese unterstützt werden, um sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren zu können. Zum Schluss sprach Romanowski die grundsätzlich kritische Einstellung gegenüber neuen Technologien und Innovationen an. Diese müsse mit Aufklärung und sachlicher Informationsarbeit beseitigt werden. Die Übertragung von Kenntnissen aus den MINT-Fächern unterstützt, eben durch Aufklärung, dieses Ziel zu erreichen. Es sei in den letzten Jahren zwar viel Positives passiert, aber dennoch gebe es Defizite.

Im Anschluss übergab Romanowski die Auszeichnung „Dialog Schule – Chemie 2015", die zum fünften Mal vergeben wurde, an Ingo Kilian vom Kreisgymnasium Bad Krozingen. Er betonte Kilians Leistungen bei der Organisation von Life-Science-Veranstaltungen. Des Weiteren sei er „als Motor und Koordinator von vielen Projekten in der naturwissenschaftlichen Bildung ein echtes Vorbild". Kilian seinerseits dankte dem Regierungspräsidium und der Universität Freiburg für die herausragende Unterstützung.

Fünf Infoforen und ein Markt der Möglichkeiten

Lehrerkongress 2015: Stand der BIOPRO Baden-Württemberg auf dem "Markt der Möglichkeiten" © BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

An jeweils drei parallel stattfindenden Infoforen vor- und nachmittags konnten die Pädagogen sich über bestimmte Themen informieren und diskutieren. Beispielsweise informierte Dr. Sigrun Schirner von der Universität Regensburg über das gendergerechte Unterrichten und Fördern. Sie zeigte den Imagewandel des Fachs Chemie in der Schule sowie die positiven Aspekte der Förderung von Schülerinnen. In unterhaltsamen Diskussionen wurde über Vorurteile und unterrichtliche Maßnahmen und Lösungen gesprochen.

Als „Stammgast" des Lehrerkongresses war auch dieses Jahr wieder das Programm COACHING4FUTURE der Baden-Württemberg Stiftung dabei. Dr. Orfeas Dintsis informierte über mögliche Ausbildungsberufe in MINT-Fächern und das Portal, um junge Menschen zu unterstützen. Im Infoforum „Sicherheit im Unterricht", das von Dr. Detlef Drees und Torsten Eggert geleitet wurde, erhielten die Pädagogen Fakten zur aktuellen Rechtslage für das Experimentieren mit Gefahrstoffen im Chemieunterricht. Vor allem die rechtsverbindliche Einführung des global harmonisierten Systems zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) war ein großes Thema.

Weitere Themen der Infoforen waren „Notebook und Tablet im Chemieunterricht", das von Dr. Franz Kappelberg aus dem Arbeitskreis Kappenberg in Münster vorgestellt wurde, und der Bildungsplan 2016, der von Thomas Schenk vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport mit dem neuen Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung" vorgestellt und erläutert wurde.

Der Markt der Möglichkeiten bot mit einem breiten Spektrum herausragende Beispiele, was an schulischen und außerschulischen naturwissenschaftlichen Projekten möglich ist. Projekte wie „Überlebenskünstler in extremen Lebensräumen" der Realschule Öhringen und Wettbewerbe wie NANU?! oder „Chemie im Alltag – Das Experiment" wurden von den jeweiligen Schülern und Betreuern ausgestellt. Die Besucher konnten sich informieren, welche Unterstützung es für bestimmte Vorhaben gibt und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um an Wettbewerben teilnehmen zu können.

Mehrere Chemie-Unternehmen stellten sich und die Ausbildungsmöglichkeiten vor. Auch durften über 20 Vertretergruppen von mehreren Projekten und Verbände schulspezifische Angebote präsentieren. Die BIOPRO Baden-Württemberg stellte ein Exponat der TECNARO GmbH aus und präsentierte Publikationen und Informationsmaterial für Lehrerinnen und Lehrer. Besonders das Thema Biokunststoffe begeisterte vielfach und sorgte für den Austausch von Informationen.

CIA-Rezepte und „Smart windows“

In Experimentalvorträgen wurden Inspirationen zur Unterrichtsgestaltung gegeben. Prof. Dr. Matthias Ducci von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe stöberte in alten CIA-Archiven, die 2011 öffentlich zugänglich gemacht wurden. Er fand unter anderem Anleitungen für Geheimtinten und Tipps für die Alltagsspionage. Es wurde zum Beispiel die „German formula", bestehend aus Knoblauchsaft und Alaun, vorgestellt. In welchem Mengenverhältnis diese beiden Zutaten stehen müssen, „sei völlig egal, weil die Rezeptur mit lediglich Knoblauchsaft genauso funktioniert", so Ducci. Durch Erhitzung würde die zunächst farblose Tinte verkohlt und dadurch farbig. Farbig wurden auch Glasscheiben im zweiten Experimentalvortrag „Smart windows". Durch anschauliche Versuche wurde gezeigt, wie sich Glas farblich ändern kann und wo sich das Potenzial zur Energieeinsparung durch clevere Materialien versteckt. Prof. Dr. Marco Oetken und seine Assistentin Corina Wagner von der Pädagogischen Hochschule Freiburg führten auf sehr anschauliche und interaktive Weise durch diese lehrreiche Veranstaltung.

Die Lehrerinnen und Lehrer nahmen die Vorschläge interessiert auf. Schon im Vorfeld erklärten Markus Scheib vom Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e.V. und Dr. Anno Borkowsky vom Verband der Chemischen Industrie e.V., dass „jeder Lehrer, der in den Naturwissenschaften unterrichtet, von diesem Kongress profitieren kann".

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/rueckblick-lehrerkongress-der-chemischen-industrie-in-baden-wuerttemberg-2015/