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Bioenergiegewinnung: 8 bis 13 Millionen Tonnen Stroh sind pro Jahr nachhaltig verfügbar

Allerorts werden derzeit die Felder geerntet und Strohballen produziert. Dass in ihnen erhebliches Potenzial für zukünftige Bioenergie steckt, konnte nun ein interdisziplinäres Forscherteam zeigen. Die Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, wie viel Stroh in Deutschland nachhaltig verfügbar ist und welche Nutzungsoptionen zur Bioenergiebereitstellung vorhanden sind.

Stroh ist ein idealer Energieträger. Die sachgerechte Nutzung birgt kaum Risiken für Böden, Wasser oder Klima. © Moorhenne/PIXELIO

Die Nutzung von Reststoffen zur Gewinnung von Bioenergie bietet gegenüber der Nutzung von Energiepflanzen den Vorteil, dass keine zusätzlichen Flächen genutzt werden und keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion auftritt. Stroh gehört dabei zu den landwirtschaftlichen Reststoffen mit dem größten bislang ungenutzten Potenzial. In Deutschland fallen durchschnittlich 30 Millionen Tonnen Getreidestroh pro Jahr an, von denen je nach Methode 8 bis 13 Millionen Tonnen für verschiedene Bioenergiepfade und für die stoffliche Nutzung nachhaltig genutzt werden können.

Zu diesem Ergebnis kam das zweijährige Forschungsvorhaben „Basisinformationen für eine nachhaltige Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen zur Bioenergieerzeugung“ (FKZ: 03KB021), das im Rahmen des BMU-Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“ gefördert wurde. Ziel des Vorhabens war es, das nachhaltige Strohpotenzial für ganz Deutschland mittels Humusbilanzierung auf Landkreisebene zu ermitteln. Die Humusbilanzierung ist ein Verfahren zur Bestimmung des Bedarfs an organischer Substanz ackerbaulich genutzter Böden. Eine ausgeglichene Bilanz soll den Erhalt der Humusvorräte sicherstellen.

Bis zu 13 Millionen Tonnen CO2 könnten eingespart werden

Kennzeichnend für das Verbundvorhaben aus dem Deutschen BiomasseForschungsZentrum (DBFZ), der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), dem Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung e.V. (INL) und dem Öko-Institut ist der interdisziplinäre Ansatz: Aus der ackerbaulichen, ökologischen und technisch-ökonomischen Perspektive wurde die gesamte Kette vom Anbau bis zur energetischen Nutzung betrachtet, um zu einem umfassenden Urteil bezüglich der Nachhaltigkeit verschiedener Nutzungsoptionen zu gelangen. Auf der Abschlussveranstaltung „Nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe zur Bioenergiebereitstellung“ am 31. August in Berlin stellte das Projektteam den Teilnehmern aus Forschung, Politik und Wirtschaft die neuesten Erkenntnisse über die Höhe und die räumliche Auflösung des nachhaltigen Strohpotenzials sowie die Ergebnisse aus der Treibhausgasbilanzierung und der ökonomischen Analyse vor. Die Projektleiterin Daniela Thrän (DBFZ) resümierte: „Durch die energetische Nutzung von Stroh können bis zu 13 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden – das entspricht anderthalb Prozent dessen, was in Deutschland an Treibhausgasen emittiert wird. Damit ist Stroh eindeutig eine Ressource mit Potenzial.“ Sie betont abschließend, dass in Bezug auf die Technologie jedoch noch großer Forschungsbedarf bestehe und noch viele Demonstrations- und Pilotprojekte nötig seien. Bis zur technischen Reife von Biogasanlagen auf Basis von Stroh sollte die Nutzung dieser Ressource prioritär in Heizkraftwerken erfolgen, da in den Strompfaden die höchsten Treibhausgas-Einsparungen zu erzielen sind und durch das novellierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) neue Möglichkeiten bezüglich der Wirtschaftlichkeit bestehen.

Neues Webtool zur Darstellung der regionalen Strohressourcen

Die Ergebnisse des Vorhabens sind in der Broschüre „Basisinformationen für eine nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe zur Bioenergiebereitstellung“ zusammengefasst, die beim DBFZ kostenfrei bestellt oder heruntergeladen werden kann. Darüber hinaus werden die Ergebnisse zu den Strohpotenzialen je Landkreis in Form eines Webtools mit Kartendarstellung ab dem 15.09.2011 unter https://www.biooekonomie-bw.destrohpotenziale.dbfz.de veröffentlicht.

Für das gesamte Bundesgebiet können hier die Strohressourcen recherchiert werden, die für verschiedene Bilanzierungsmethoden die zur Verfügung stehende Strohmenge als Zahlenwert anzeigt.

Glossar

  • Die Elektroenzephalografie (EEG) ist eine diagnostische Methode mit der man die elektrische Aktivität des Gehirns durch Aufzeichnung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche messen kann. Graphisch dargestellt wird dies als sogenanntes Elektroenzephalogramm (ebenfalls EEG).
  • Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das bei der Zersetzung von Biomasse (Fäkalien, Bioabfall, Stroh u. a.) entsteht. Dabei wird das komplexe organische Material mit Hilfe verschiedener Mikroorganismen unter Luftabschluss hauptsächlich in Kohlendioxid und Methangas umgewandelt.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/bioenergiegewinnung-8-bis-13-millionen-tonnen-stroh-sind-pro-jahr-nachhaltig-verfuegbar/