Powered by

Grund für Abnahme der Algenbiomasse im Bodensee entschlüsselt

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Ökosysteme oft nicht graduell auf Umweltveränderungen reagieren, sondern sprunghaft in so genannten Regimewechseln. Wissenschaftler des Limnologischen Instituts der Universität Konstanz konnten nun in Kooperation mit dem Institut für Seenforschung in Langenargen erstmals nachweisen, dass solch ein sprunghafter Regimewechsel auch durch eine Nährstoffänderung hervorgerufen werden kann. Ihre Forschungsergebnisse belegen, dass die Algenbiomasse des Bodensees eine solche sprunghafte Dynamik als Reaktion auf die graduelle Verringerung der Phosphatbelastung des Sees entwickelt hat.

Seit dem Jahr 1965 werden in einer Langzeitstudie die Veränderungen der Nährstoffkonzentrationen und die Lebensgemeinschaften im Bodensee überwacht. Zwar ist der Bodensee traditionell ein sehr nährstoffarmer See, nach dem zweiten Weltkrieg wurde er allerdings durch eine hohe Phosphorkonzentration stark belastet. Es kam zu einem Anstieg der Algenbiomasse im See. Kläranlagen wurden eingesetzt, um den Phosphorgehalt zu verringern, und seit Anfang der 1980er Jahre ging die Phosphatbelastung nachweisbar zurück. Ganze zehn Jahre dauerte es allerdings danach noch, bis sich auch die Algen zurückentwickelten.

PD Dr. Dietmar Straile, Arbeitsgruppenleiter am Limnologischen Institut der Universität Konstanz, über die Gründe: „Zwar befand sich weniger Phosphat im Wasser, die Algen betrieben allerdings für eine ganze Zeit lang eine so genannte Biomassekompensation, das heißt, der Rückgang einzelner Algengruppen wurde durch die Zunahme anderer abgepuffert. Erst nachdem die Phosphorkonzentration so stark abgenommen hatte, dass diese Kompensation nicht mehr möglich war, ging die Gesamtbiomasse zurück. Dieser Rückgang erfolgte dann nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft auf einen deutlich niedrigeren Biomassewert, so dass man von einem Regimewechsel sprechen kann.“

Diese Einsichten in die Reaktion von Ökosystemen auf Umweltveränderungen wurden ermöglicht durch Langzeitdatenreihen, die am Bodensee durch das Institut für Seenforschung und durch das Limnologische Institut der Universität Konstanz erhoben wurden. Die Untersuchungen des Limnologischen Instituts an der Universität Konstanz und des Instituts für Seenforschung in Langenargen unterstreichen somit nachdrücklich die Bedeutung von Langzeitdaten für die ökologische Forschung.

Die wegweisenden Erkenntnisse, die im Zuge der Doktorarbeit von Marc C. Jochimsen, der an der Universität Konstanz am Fachbereich Biologie promoviert, entstanden sind, erschienen exklusiv online in der Zeitschrift „Ecology Letters“ unter dem Titel „Compensatory dynamics and the stability of phytoplankton biomass during four decades of eutrophication and oligotrophication“.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/grund-fuer-abnahme-der-algenbiomasse-im-bodensee-entschluesselt/?prn=1