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Kein Blutkrebs nach Inhalation von Formaldehyd

Die Ulmer Doktorandin am Institut für Humangenetik, Simone Neuß, ist von der Gesellschaft für Umwelt-Mutationsforschung (GUM) mit dem „Preis für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 2010“ ausgezeichnet worden. Die 28-jährige Biologin in der Arbeitsgruppe von Günter Speit erhielt die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Arbeiten zum genotoxischen Wirkmechanismus von Formaldehyd.

Die Ulmer Doktorandin Simone Neuß. © Uni Ulm

In den vergangenen drei Jahren ist Simone Neuß der kontrovers diskutierten Frage nachgegangen, ob die potenziell krebserregende Industriechemikalie Formaldehyd nach der Inhalation Leukämie auslösen kann. Dazu müsste die Chemikalie ins Knochenmark gelangen oder beispielsweise blutbildende Stammzellen in der Nase schädigen, die dann ins Knochenmark wandern.

In Zellkultur- und Tierexperimenten konnte Neuß zeigen, dass Formaldehyd nur diejenigen Zellen schädigt, mit denen die Chemikalie direkt in Kontakt kommt und sich nicht im Körper verteilt. Folglich scheint selbst die Inhalation hoher Formaldehydkonzentrationen die Erbsubstanz im Knochenmark nicht zu beeinflussen.

In einem zweiten Schritt untersuchte die Doktorandin Freiwillige, die unterschiedliche Formaldehyd-Konzentrationen eingeatmet hatten, auf DNA-Schäden im Blut und in der Nasenschleimhaut. Mit molekularbiologischen Methoden prüfte sie, ob sich die Aktivität menschlicher Gene veränderte. „Insgesamt zeigen meine Untersuchungen, dass es bisher keine biologisch plausible Erklärung für die Entstehung von Leukämien nach Formaldehydinhalation gibt“, resümiert Neuß. Ihre Forschungsergebnisse hat sie auf der Jahrestagung der GUM in Potsdam präsentiert.

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