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Mit Bachflohkrebsen gegen Umweltgifte in Gewässern

Die weltweit zunehmende Gewässerverschmutzung macht auch vor dem Bodenseeraum nicht Halt. Auswirkungen von Umweltschadstoffen auf Gewässer und deren Bewohner sind teilweise unbekannt. Die in Konstanz neu angesiedelte Firma LimCo International hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Bachflohkrebse eingesetzt werden, um vor Ort Folgen von wiederholten Schadstoffpulsen zu messen. In Kooperation mit weiteren BioLAGO-Firmen sowie den Umweltämtern der Kantone Thurgau, Schaffhausen und St. Gallen wird im Rahmen des neuen Interreg IV-Projekts „Ökotoxikologischer Index im Bodenseeraum“ ein Konzept zur biologisch-chemischen Bewertung der Umweltbelastung entwickelt. Nach ersten viel versprechenden Tests im Thurgau und St. Gallen sind weitere Versuche auch an Bodenseezuflüssen auf deutscher Seite geplant.

„Kleine Helfer“: Bachflohkrebse agieren beim Interreg-IV-Projekt "Ökotoxikologischer Index im Bodenseeraum“ als Hinweisgeber auf umweltbelastende Stoffe © LimCo International GmbH

Die europäischen Gewässer sollen laut Wasserrahmenrichtlinien wieder in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden. Gewässerbelastungen sind heutzutage auf Gemische von Umweltschadstoffen aus der Land- und Siedlungswirtschaft zurückzuführen. „Verbesserte Überwachungssysteme bieten die Grundlage für den praktischen Gewässer- und Artenschutz bzw. Biodiversität und dienen somit auch dem Bürger“, erklärt Dr. Almut Gerhardt, Geschäftsführerin des in Konstanz neu angesiedelten Unternehmens LimCo International und Koordinatorin des Interreg IV-Projektes. "Mitentscheidend für die Wahl des Standortes war neben meinen Kontakten in der Schweiz auch das interessante und aktive Forschungs- und Industrieumfeld rund um moderne Biowissenschaften hier am Bodensee. Durch den grenzübergreifenden Verbund BioLAGO konnte ich weitere wichtige Kontakte für dieses Projekt knüpfen", so Gerhardt.

Süßwasser-Krebse in der Hauptrolle

Grundlage der Untersuchungen im Rahmen der Interreg-Initiative sind zwei neue Verfahren, darunter die von LimCo International entwickelte "GamTox"-Methode zur Bestimmung von Giftwirkungen an ausgewählten Problemstellen: hierbei werden Bachflohkrebse in speziellen Durchflussröhren im Gewässer ausgesetzt, wobei den Tieren als Futter ein Erlenblatt dient. Wöchentlich werden die Krebse kontrolliert und ihr Futter erneuert.

In den Durchflussröhren verhalten sie sich dabei als Hinweisgeber: "Fliesst eine Schadstoffwelle vorbei, kann diese sowohl das Frassverhalten als auch das Überleben der Tiere beeinflussen", ergänzt Gerhardt. Der Test erlaubt es die Umweltbelastungen in Zukunft direkt vor Ort auch über längere Zeit zu messen und leichter potentielle Verursacher zu ermitteln. Er ergänzt die bisher in grossen Zeitabständen durchgeführten biologischen Analysen, deren Ergebnisse stark von Wetterereignissen kurz vor der Beprobung abhängen.

Erste vielversprechende Tests auf Schweizer Bodenseeseite

Bei den ersten Untersuchungen konnte bereits festgestellt werden, dass bestimmte Stellen, an denen die Umweltämter der Kantone Thurgau und St. Gallen bereits eine erhöhte Umweltbelastung vermuteten, im GamTox-Test auch wirklich drastische Auswirkungen zeigten. Das andere eingesetzte Verfahren ist der so genannte SPEAR-Index, der vom Umweltforschungszentrum Leipzig entwickelt wurde. Hierbei werden bestehende biologische Daten berechnet, in dem man die Gewässerfauna in sensitive und tolerante Arten einteilt, jeweils im Vergleich mit Toxizitätsdaten von Referenztieren, die aus der Literatur bekannt sind.

Grenzüberschreitendes Projekt

Nach den ersten vielversprechenden Ergebnissen sind weitere Versuche auch an Bodenseezuflüssen auf der deutschen Seite geplant, wo das Unternehmen Hydra AB aus Konstanz bereits biologische Untersuchungen vornimmt. Alle biologischen, ökotoxikologischen und chemische Daten werden miteinander in Beziehung gesetzt. Dazu bedarf es einer genauen Artbestimmung der Gewässerfauna, die das Gewässerbüro Lubini aus Zürich durchführt. Der Kanton Schaffhausen unterstützt die Initiative mit chemischem Know-how und Analytik. Die BiCon AG in Kreuzlingen unterstützt die LimCo International GmbH in der Administration und Öffentlichkeitsarbeit. Das Projekt wird co-finanziert vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung und vom Interreg IV Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/mit-bachflohkrebsen-gegen-umweltgifte-in-gewaessern/