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ANASYN Ozan Gökay - Forschungslabor für komplexe Aufgaben

Der Chemieingenieur und Chemiker Ozan Gökay plant schon seit einigen Jahren sich mit einem Unternehmen selbstständig zu machen. Nun ist es so weit: Das Unternehmen ANASYN soll im November 2010 seinen Betrieb im Bereich Analytik, Synthesen und Biotechnologie aufnehmen.

„Ich möchte mit der Forschung und Dienstleistung meines Unternehmens die Lebensqualität der Menschen verbessern.“ Das sind die Worte, mit denen Ozan Gökay die Ziele des Labors für Auftrags- und Forschungsanalytik sowie für Synthesen, die ANASYN, beschreibt. Im November dieses Jahres möchte Ozan Gökay das Unternehmen gründen. Der Chemiker hat zum Thema „Entwicklung und Anwendung moderner Verfahren zur Analyse von Naturstoffen und bioaktiven Stoffen“ am Institut für Organische Chemie der Universität Tübingen im Arbeitskreis von Prof. Dr. Klaus Albert promoviert. Während seiner Dissertation hat Gökay effiziente Strategien für die Analyse von bioaktiven Naturstoffkomponenten entwickelt. Aus diesen Forschungsarbeiten resultierten vier wissenschaftliche Manuskripte, von denen drei in Fachzeitschriften publiziert werden.

Bei seinen Arbeiten machte Gökay von gekoppelten Kapillar-Trenn- und Detektionstechniken Gebrauch. Dank der hohen Empfindlichkeit der Kapillar-Kernspinresonanzspektroskopie (microcoil-NMR-Spectroscopy), die etwa 20- bis 50-fach empfindlicher ist als die konventionelle NMR-Probenkopftechnik, konnte Gökay im analytischen Maßstab isolierte bioaktive Verbindungen umfassend charakterisieren bzw. identifizieren. „Man muss bei der Analytik immer versuchen, in einen kleineren Maßstab überzugehen“, erklärt der Wissenschaftler.

Durch seine Tätigkeit im Arbeitskreis von Professor Albert konnte sich Ozan Gökay bestens auf seine kommenden Aufgaben vorbereiten. „Ich habe während der Zeit meiner Dissertation auch an Industriekooperationen gearbeitet, in denen ich Techniken kennen lernen konnte, mit denen ich sonst nicht in Kontakt gekommen wäre“, berichtet Gökay. Die Idee ein Unternehmen zu gründen, gibt es daher auch schon länger - nun setzt er sie um. „Ich möchte mein eigener Chef sein und selbst entscheiden, welche Art von Forschung ich betreibe und als wichtig und sinnvoll erachte“, so der Wissenschaftler.

Keine Routineanalytik

Chemieingenieur und Chemiker Ozan Gökay © privat

Spezialisieren soll sich die ANASYN auf die Identifizierung und Strukturaufklärung von Naturstoffen, pharmazeutischen Wirkstoffen und synthetischen Verbindungen mittels moderner instrumentell-analytischer Methoden. Auch die molekularen Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und Rezeptoren sollen mittels der NMR-Spektroskopie untersucht werden. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Professor Albert sind verschiedenste Techniken von der Suspensions-NMR bis zur HPLC- bzw. GC-MS im Angebot der ANASYN. Zudem stehen auch Lebensmittel-, Umwelt- und DNA-Analytik auf dem Programm. Zusammen mit PD Dr. Marek Los vom Interfakultären Institut für Biochemie der Uni Tübingen, Prof. Albert, Prof. Johannes Imhoff von der Universität Kiel und Prof. Reinhard Kuhn von der Hochschule Reutlingen möchte Ozan Gökay Krebs- und Krebsstammzellenforschung betreiben.

Die Forscher versuchen eine Methode zu entwickeln, um Krebsstammzellen zu erkennen und neue Wirkstoffe zu finden, die selektiv-toxisch auf Krebs- bzw. Krebsstammzellen wirken. Nach entsprechenden wissenschaftlichen Vorarbeiten soll ein Antrag zur Förderung des Themas bereits Anfang 2011 bei der entsprechenden Institution eingereicht werden. Weiterhin soll die ANASYN zwei Patente übernehmen, die unter anderem durch die Forschungsarbeiten von Dr. Los zustande gekommen sind. Dabei handelt es sich um Peptide, die aus viralen Proteinen isoliert wurden und eine antikarzinogene Wirkung haben. Durch eine Verbesserung des Wirkstoffs hoffen Dr. Los und Gökay auf eine erfolgreichere Vermarktung. „Ich möchte nicht nur Routineanalytik betreiben, sondern auch komplexe Untersuchungen durchführen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen“, so Gökay.

Neue Anwendung für Glycerin

Doch auch im Bereich “Nachwachsende Rohstoffe“ ist die ANASYN Ozan Gökay aktiv. „Wir möchten die während der Biodieselproduktion entstehenden Nebenprodukte weiterverarbeiten“, erklärt Gökay. Die enormen Mengen des während der Umesterung entstehenden Glycerins finden in der Wirtschaft nicht ausreichend Verwendung, so dass neue Möglichkeiten zur Verwendung gesucht werden müssen. Die Wissenschaftler überlegen zum Beispiel das Glycerin zu bestimmten Mono- und Diglyceriden oder zu Wirkstoffkapseln weiter zu verarbeiten. „Hier stehen wir aber noch ganz am Anfang“, berichtet der Wissenschaftler. Das Projekt soll zusammen mit Prof. Dr. Albert, Prof. Dr. Cesar Petzhold (UFRGS, Brasilien) und Dr. Telma Schanz (Institut für Organische Chemie, Universität Tübingen) durchgeführt werden.

Mit seinem Angebot richtet sich das Unternehmen an die Chemie-, Pharma- und Kosmetikunternehmen sowie an die Lebensmittelindustrie, denn ob Gemüse oder Obst mit Pestiziden belastet ist, ist eine aktuelle Fragestellung, die auch die Verbraucher in Atem hält. Mit dem Grundsatz sich auch komplexen Analyse- wie Syntheseproblemen zu stellen, möchte Ozan Gökay in den Markt der Dienstleistungslabore vordringen. Schon vor der Gründung des Unternehmens konnte Gökay einen Kunden gewinnen, mit seinem ausgewogenen Konzept werden weitere nicht lange auf sich warten lassen.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/anasyn-ozan-goekay-forschungslabor-fuer-komplexe-aufgaben