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BaFa GmbH - Neuer Einsatz für Hanf

Nutzhanf ist ein zukunftsfähiger Rohstoff, dessen Fasern in vielen Bereichen der Industrie Einzug gehalten haben. Die Badische Naturfaseraufbereitung GmbH verarbeitet die Fasern des Hanfs weiter und ist somit die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Industrie.

Die Vision, mit etwas ökologisch sinnvollem Geld zu verdienen, veranlasste 1996 den Logopäden Bernd Frank zur Gründung der Badischen Naturfaseraufbereitung GmbH (BaFa). „Ich bin seit Anfang der 80er Jahre „ökobewegt" und als 1995 klar war, dass 1996 der Anbau von Nutzhanf in Deutschland wieder erlaubt werden würde, fasste ich den Entschluss, in die Branche als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Industrie einzusteigen."

Anfang 1996 legalisierte die Bundesregierung den Anbau von Nutzhanf in Deutschland. Zehn Jahre später, im Jahr 2006,  lag die Hanfanbaufläche deutschlandweit bei 1.355 Hektar (Deutscher Naturfaserverband e.V.). Im Jahr 2009 wird die Hanfanbaufläche in Deutschland bei ca. 2000 ha liegen, so die Worte Franks, die BaFa nimmt 2009 1300 ha Hanfanbaufläche in Deutschland sowie Frankreich unter Vertrag.

Keine Pflanzenschutzmittel nötig

Mit dem Hanfkoppelernter ist es möglich den Hanf zu mähen, einzuziehen, einzukürzen, auszudreschen und auszuwerfen. © K. Mastel, LAP Forchheim

Nutzhanf zählt wie Flachs oder Baumwolle zu den sogenannten Faserpflanzen und bildet wie der Flachs Bastfasern aus. Die Hanfernte findet in Baden-Württemberg in der Zeit von August bis September statt und wird mit einem sogenannten Hanfkoppelernter durchgeführt. Der Hanfkoppelernter wurde von der BaFa in einem Förderprojekt der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) zusammen mit den Firmen Götz Landtechnik und Deutz-Fahr Landmaschinen sowie der Landesanstalt für Pflanzenbau entwickelt. Mit dem seit dem Jahr 2000 eingesetzten Hanfkoppelernter können Hanfkörner und Hanfstroh in einem Arbeitsschritt geerntet werden. Die Maschine wird seit einiger Zeit in weiten Teilen Europas getestet.

Ein Vorteil des Hanfanbaus ist, dass dieser ohne jeden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgen kann, da die starke Blattbildung des Hanfs die Unkrautbildung weitgehend unterdrückt. Nach Franks Worten ist Hanf die stärkste Naturfaser. Zurückzuführen ist dies auf das enorme Längenwachstum des Hanfs, denn er wächst in drei Monaten bis zu vier Meter hoch. Die stabilen Fasern stützen den Stängel der Pflanze. „Diese von der Natur produzierten Fasern können wir nun in verschiedenen technischen Prozessen nutzen", erklärt Frank.

Hanffasern für die Automobilindustrie

Thermo-Hanf® eignet sich für die Dämmung in Dach, Wand und Boden. © Hock

Hanfprodukte finden in der Industrie zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. „Hauptsächlich vermarkten wir die Fasern in der Automobilindustrie", so Frank. Vliesfähige Fasern werden dort für Türverkleidungen eingesetzt. „Dabei wird mit thermoplastischen Kunststoffen wie Polypropylen (PP) sowie Duroplasten wie zum Beispiel Epoxidharz gearbeitet. Mittlerweile verwendet man jedoch auch Biopolymere wie Polymilchsäure (PLA) und Lignin", erklärt Frank. Hier bieten die Naturfasern im Vergleich zu Glasfasern eine Gewichtseinsparung bei gleicher Festigkeit. Hinzu kommt die CO2-neutrale Entsorgung. „Neu auf dem Markt ist der Naturfaser verstärkte Spritzguss. Hier werden mit Hilfe der Naturfasern spritzfähige Granulate hergestellt. Auch hier entstehen Gemische mit fossilen und Biopolymeren", so Frank. Im Rahmen des Förderprogramms BioIndustrie 2021 arbeitet die BaFa GmbH an einem Verbundprojekt zur Entwicklung von Lignincompounds, die den hohen Anforderungen der Automobilindustrie gerecht werden.

In der Dämmstoffindustrie sind Hanffasern ein Ersatz für Glas- und Steinwolle. Die BaFa entwickelte zusammen mit der Firma Hock den Naturdämmstoff Thermo-Hanf®. „Die Hanffaser ist hier zusammen mit einer Polyester-Bikofaser als Bindemittel verarbeitet. Es gibt allerdings auch ein Produkt, in welchem PLA als Bindefaser dient, und es ist somit gelungen, einen komplett biogenen Dämmstoff zu erstellen", berichtet Frank. Im Bereich der Dämmstoffe forscht die BaFa zudem weiter, um demnächst eine härtere Dämmstoffplatte auf den Markt zu bringen. Diese soll als Wärmeverbundsystem für Wände verwendet werden und kann unter anderem in der Altbausanierung eingesetzt werden. Um die Entwicklung weiterer innovativer Produkte zu ermöglichen, arbeitet die BaFa zudem mit dem Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (Fraunhofer ICT) und dem nova-Institut zusammen.

Hanfsamen als Fischfutter

Natürlich werden auch die Schäben des Hanfs in der Industrie eingesetzt. So kann man diese neben dem Einsatz als Tiereinstreu auch im Baugewerbe in der Verbindung mit Kalk als Estrich oder Dämmputz verwendet. Die Hanfsamen werden im Lebensmittelbereich unter anderem zu Hanföl sowie in der Futtermittelindustrie zu Vogel- und Fischfutter weiterverarbeitet. Durch die Vermarktung nahe zur gesamten Hanfpflanze, also Fasern, Schäben sowie den Hanfsamen, konnte die BaFa somit die Wirtschaftlichkeit des Hanfanbaus deutlich steigern.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/bafa-gmbh-neuer-einsatz-fuer-hanf