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BioLog - Biokunststoff aus Krebsen

Die BioLog GmbH aus Landsberg entwickelt Biokunststoffe aus dem natürlich vorkommenden Biopolymer Chitin, das aus den Schalen von Krustentieren, wie Shrimps und Krabben, extrahiert wird. Das Chitin wird zu Chitosan modifiziert, das vielseitig anwendbar ist und zum Beispiel in der Abwasserbehandlung oder als Futtermittel eingesetzt wird.

Die BioLog Biotechnologie und Logistik GmbH entwickelt seit 1992 Technologien und Produkte für die Wasser- und Abwasserbehandlung sowie Biopolymere und deren Anwendung in der Industrie. Spezialisiert hat sich die BioLog GmbH auf die Produktion von Chitosan, ein hauptsächlich aus den Schalen von Krebstieren gewonnenes Chitinderivat. Wird die N-Acetylgruppe des Chitins abgespalten, so entsteht Chitosan, ein Polysaccharid, das durch seine positive Ladung in saurem Milieu ein breites Anwendungsspektrum eröffnet. Chitosan ist biologisch abbaubar, nicht toxisch, hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen und beschleunigt die Wundheilung. Die BioLog GmbH bringt es in der Wasser- und Abwasserbehandlung, in der Landwirtschaft, Papier- und Textilindustrie sowie als Biokunststoff zum Einsatz.

Chitosan als Flockungsmittel

In dieser Anlage wird Chitosan produziert. © BioLog

Die Eigenschaften des Chitosans hängen hauptsächlich vom Deacetylierungsgrad, der molaren Masse und dem Aschegehalt des Polymers ab. „Diese Parameter unterliegen bei der BioLog GmbH einer strengen Kontrolle", berichtet Anke Wunder, Marketingleiterin des Unternehmens. Denn nur durch eine kontrollierte technologische Verarbeitung kann eine definierte, langjährige Produktqualität in den verschiedenen Industriebereichen gewährleistet werden. Zu diesem Zweck hat die BioLog GmbH ein Verfahren zur umweltfreundlichen und ökonomischen Produktion der Biopolymere entwickelt. Die Anlagen haben einen hohen Automatisierungsgrad und können von den Prozeßschritten Schalenaufbereitung bis zur Chitin- und Chitosanproduktion modular genutzt werden.

Anwendungsbeispiele für den Biokunststoff © BioLog

Das kationische Polysaccharid Chitosan wird unter anderem als biologisches Flockungsmittel eingesetzt. Dazu hat die BioLog GmbH eine anwendungsbereite Produktserie mit dem Namen HEPPIX entwickelt, die der Flockung und Entwässerung von organischen und mineralischen Abwässern und Schlämmen dienen. „Zur Bindung von Schwermetallen bildet Chitosan mit Metallionen einen Komplex, der ausflockt und entfernt werden kann", erklärt Wunder. HEPPIX wird zudem zur Algenflockung in Teichen und Schwimmbädern, für die Aufkonzentrierung von Gülle sowie bei der Fest-/Flüssigtrennung in der Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Doch die BioLog GmbH ging noch weiter und entwickelte aus dem vielseitigen Chitosan einen Biokunststoff. Durch die Vernetzung von Stärke, einem biologisch abbaubaren Copolyester und Chitosan entstand der Biokunststoff SARAH. Seine hohe mechanische Stabilität sowie die biologische Abbaubarkeit ermöglichen einen Einsatz in der Verpackungsindustrie. Aber auch als Spritzguss und als Isolierschaum kann SARAH angewendet werden.

Nanopartikel für die Medizin

Nanopartikel aus der BioLog-Produktion © BioLog

Dass die Krustentierschalen Einzug in die Futtermittelindustrie erhalten haben, zeigt die Vielseitigkeit des Produkts. Das Calciumcarbonat aus den Schalen wird besonders als Futtermittelausgangsstoff in der Jungtieraufzucht verwendet. Als Inhaltsstoff im Ergänzungsfuttermittel MariMin dient es Nutztieren, wie zum Beispiel Kälbern oder Ferkeln zur Stabilisierung des Wasser- und Elektrolythaushalts.

Um Produkte, die auf Chitosan basieren, auch für medizinische Anwendungen zu entwickeln, arbeitet die BioLog GmbH eng mit den jeweiligen Unternehmen zusammen. Dabei setzt die BioLog GmbH besonders auf Nanopartikel, die in einer eigens konzipierten Anlage hergestellt werden können. Die Nanopartikel, eigentlich für technische Anwendungen gedacht, können auch im medizinischen Bereich, zum Beispiel als Drug-Delivery-Systeme, verwendet werden. Dazu wird zur Zeit eine Anlage gebaut, die unter Rein-Raum-Bedingungen Nanopartikel mit verschiedenen Wirkstoffen herstellen kann.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/biolog-biokunststoff-aus-krebsen