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GEHR Kunststoffwerk - Neuer Einsatz für Biokunststoff

Die 1932 gegründete GEHR Kunststoffwerk GmbH & Co. KG zählt zu den weltweit führenden Herstellern von thermoplastischen Kunststoffhalbzeugen. Sie ist seit der Gründung in Besitz der Familie Gehr und hat ihren Hauptsitz in Mannheim.

Als langjähriges Familienunternehmen in der dritten Generation sind unternehmerische Freiheit sowie der Fokus auf eine langfristige Entwicklung für das Unternehmen von besonderer Bedeutung. GEHR hat seit 26 Jahren einen weiteren Produktionsstandort unweit von Philadelphia und Büros in Frankreich, Italien, China, Japan und Kalifornien.

Halbzeuge für die Medizintechnik

Firmensitz der GEHR Kunststoffwerk GmbH & Co. KG © GEHR

Das Haupttätigkeitsfeld von GEHR liegt in der Produktion von thermoplastischen Kunststoffhalbzeugen,  also Rohmaterialformen für die Kunststoffindustrie. Um zu den bedeutendsten Halbzeuganbietern in möglichst vielen Branchen zu zählen, stellt das Unternehmen ein breites Programm an extrudierten Stäben, Platten, Profilen und Rohren her.

Eine besondere Spezialisierung des Unternehmens liegt bei Vollstäben mit einem Durchmesser bis zu 700 mm. Eine ungewöhnliche Anwendung für die aus Polyoxymethylen (POM) bestehenden Vollstäbe hat zum Beispiel ein Hersteller von hochwertigem Schmuck gefunden. Edelmetallringe werden mit einer Einlage aus schwarzem GEHR POM-C, gedreht aus einem Vollstab mit einem Durchmesser von 25 mm, gefertigt. Vollstäbe werden zudem auch in kleinen Durchmessern ab 3 mm von GEHR produziert.

Halbzeuge von GEHR Kunststoffwerk © GEHR

Die Halbzeuge werden in zahlreichen Branchen angewendet. So stellt GEHR seit Jahrzehnten Röhren für die Schreibgeräte- sowie Kosmetikindustrie her. Weitere Anwendungsbeispiele finden sich in der Automobilindustrie, der Medizintechnik, für Laborgeräte als auch im Maschinenbau. GEHR bietet zudem ein enormes Repertoire an Werkstoffen, die für die besonderen Anforderungen einer Anwendung die entsprechenden Spezifikationen, wie zum Beispiel UV-Stabilität oder physiologische Unbedenklichkeit, aufweisen.

Bester Verarbeiter von Biokunststoffen

Einen der neusten Erfolge konnte das Unternehmen durch den Gewinn des Bioplastics Awards 2008 als „Bester Verarbeiter von Biokunststoffen“ verzeichnen. „Hier überzeugte GEHR besonders damit, dass es als erster Hersteller Biokunststoffe zu technischen Halbzeugen verarbeitet“, berichtet Diplom-Biologe Thomas Stintzing, Produktmanager der ECOGEHR-Produktfamilie. „Den Werkstoffen wird so zu ganz neuen Anwendungsgebieten Zugang verschafft.“ Die innovative ECOGEHR-Produktlinie enthält zahlreiche Biokunststoffe, womit den unterschiedlichen Anforderungen der Kunden entsprochen werden kann.

ECOGEHR PLA-L, ein Werkstoff aus Polymilchsäure © GEHR

Der ECOGEHR PLA-Werkstoff basiert auf Polymilchsäuren, wird also auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt und ist daher ökologisch unbedenklich und in der CO2-Bilanz positiv. Die Polymilchsäure wird meist aus der Stärke von Maispflanzen gewonnen. Die Entsorgung kann zum Beispiel durch industrielle Kompostierung oder Verbrennung erfolgen. „Der Fokus des PLA-Werkstoffs liegt hier klar auf der Kompostierbarkeit", so Stintzing. „Anwendungen sind zur Zeit in Probephasen." Für ECOGEHR C-L, ein Gemisch aus Zellulose, Naturfasern, Lignin und Fettsäuren, liegen schon Anwendungsideen vor. „Allein durch die Zusammensetzung erinnert der Werkstoff an Holz, ist jedoch deutlich homogener", berichtet Thomas Stintzing. „Hier wäre zum Beispiel ein Einsatz in der Musikinstrumenten- sowie Möbelindustrie denkbar."

Bewegung im Biokunststoffmarkt

Die ebenfalls Holz-ähnlichen ECOGEHR WPC-Werkstoffe bestehen aus Standard-Polymeren (Polypropylen oder Polyvinylchlorid) und Holzfasern. Die Werkstoffe weisen eine hohe mechanische Festigkeit auf und sind für den Außeneinsatz geeignet. „WPC´s werden zur Zeit hauptsächlich als Terrassenbohlen eingesetzt, da der Werkstoff sehr witterungsbeständig ist“, sagt der Biologe.

Ein weiteres Mitglied der ECOGEHR-Produktfamilie ist ECOGEHR PA (Polyamid). ECOGEHR PA 6.10 besteht zu mindestens 60 Prozent aus Sebacinsäure. PA 11 basiert sogar zu 100% aus erneuerbaren Ressourcen. Beiden Biopolymere liegt der Naturstoff Rizinusöl zugrunde. „ECOGEHR PA könnte sich besonders im technischen Bereich durchsetzen, da es - für einen Biokunststoff eher ungewöhnlich - noch bei hohen Temperaturen (100°C) thermisch stabil ist“, erklärt Thomas Stintzing. „Der Biokunststoffmarkt ist jedoch sehr stark in Bewegung. Es kann sein, dass in nächster Zeit Biokunststoffe entwickelt werden, die für die Anwendung in technischen Halbzeugen noch interessanter sind“, so der Biologe.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/gehr-kunststoffwerk-neuer-einsatz-fuer-biokunststoff