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gerbion®: Krankheitserregern auf der Spur

Egal ob Viren, Bakterien oder Parasiten – sie in Mensch, Tier, Lebensmittel oder Umweltproben zu detektieren, gehört für die Mitarbeiter der gerbion GmbH & Co. KG zur Routine. Dabei kommen seit Jahren bewährte virologische, mikrobiologische, serologische, aber auch neueste molekularbiologische Methoden zum Einsatz. Von Anfang an setzen die Gründer des Kornwestheimer Diagnostikunternehmens auf eigene Forschungsarbeit und die Entwicklung neuer Nachweisverfahren und Tests.

Dr. Christoph Metzger-Boddien ist einer der Gründer und Geschäftsführer der gerbion GmbH & Co. KG. © privat

„Es war damals eine etwas unsichere Zeit, um ein Diagnostikunternehmen zu gründen“, erinnert sich Dr. Christoph Metzger-Boddien an das Jahr 2003 zurück. Die Biotech-Blase war kurz zuvor geplatzt und Existenzgründungsgelder waren nicht zu bekommen. Trotzdem hat sich der promovierte Biologe und jetzige Geschäftsführer von gerbion® dazu entschlossen, gleich zwei Diagnostikunternehmen mit zu gründen. „Ich hatte schon immer den Wunsch, selbstständig tätig zu sein, und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man etwas Neues riskieren muss“, sagt Metzger-Boddien, der bis dahin als Abteilungsleiter eines Diagnostiklabors in Stuttgart tätig war.

gerbion® war zunächst nur auf BSE-Tests spezialisiert, während über das zweite Diagnostikunternehmen alle weiteren Nachweisverfahren von Krankheitserregern angeboten wurden. Die Gründer bewiesen den richtigen Riecher: Mit der BSE-Krise zu jener Zeit, stiegen die Umsatzzahlen stetig an – bis 2008. Danach kam es zu einem starken Rückgang der BSE-Untersuchungen, unter anderem verursacht durch eine EU-Regelung, mit der das Alter untersuchungspflichtiger Rinder hochgesetzt wurde. Doch Metzger-Boddien und sein Geschäftspartner Georg Klopfer, die sich kurz danach von dem dritten Gründer und ihren Anteilen an dem zweiten Unternehmen wegen persönlicher Differenzen lossagten, hatten von Anfang an vorgesorgt. Sie forschten und entwickelten weitere Tests, die sie Laborärzten in staatlichen und privaten Laboren sowie Veterinäruntersuchungsämtern anbieten.

Mit neuen Testverfahren der Konkurrenz einen Schritt voraus

Eine Mitarbeiterin der gerbion GmbH & Co. KG pipettiert in einer UV-Reiniger-Box die Komponenten einer PCR zusammen. Die UV-Strahlung garantiert einen kontaminationsfreien Arbeitsplatz. © Metzger-Boddien

Zunächst im Auftrag und unter fremdem Label, vermarkten sie seit 2009 rund 20 im eigenen Labor entwickelte Nachweistests, die mittels der sogenannten Real-Time- (RT-)PCR durchgeführt werden, selbst. „Wir verlassen uns bei der Auswahl auf unsere persönliche Einschätzung, Gespräche mit Kunden und Anwendern, und recherchieren in der Literatur, welche Nischenprodukte sich zu Verkaufsschlagern entwickeln könnten“, sagt Metzger-Boddien. Nachweisverfahren für Noroviren, die beim Menschen schwere Magen-Darm-Grippe verursachen, und für Legionellen, den im Wasser vorkommenden Erregern der Legionärskrankheit, sind solche Produkte. Mit dem ixSave® Zeckentest beinhaltet die gerbion® Produktpalette auch ein Paket für Endverbraucher. Das Set enthält einen neuartigen Zeckenentferner sowie das komplette Versandmaterial, um eine Zecke an das gerbion® Labor zur Untersuchung auf verschiedene Krankheitserreger zu senden. Das Ergebnis der Untersuchung kommt nicht nur per Post, sondern ist auch online abrufbar.

„Zukünftig wollen wir mit unseren Produkten nicht mehr so stark PCR-lastig sein, zumal es sich um eine relativ einfach zu etablierende Methode handelt“, so Metzger-Boddien weiter. Dazu kommt, dass 2011 das Patent für die Real-Time-PCR gefallen ist. Seither werde der Markt mit billigen PCR-Tests fraglicher Qualität aus Fernost überschwemmt, erzählt der Biologe. Ein neuartiges Lumineszenz-Test-Verfahren, das die Mitarbeiter entwickelt haben, soll bereits im kommenden Jahr validiert werden. Damit wird – ähnlich wie bei dem ELISA genannten Testverfahren – die Wechselwirkung zwischen Antikörpern und Krankheitserregern mit Hilfe einer enzymvermittelten Reaktion nachgewiesen. Im Gegensatz zum ELISA kann jedoch unter anderem auf zeitaufwendige Waschschritte verzichtet werden. Außerdem ist das neue Verfahren 10- bis 100-fach sensitiver.

Ein weiteres Standbein: Teilnahme an klinischen Studien

Bei der Entwicklung von Tests kooperiert gerbion® oft auch mit Partnern wie Universitäten, die beispielsweise grundlegende gentechnische Konstrukte liefern, die für einen Test benötigt werden. gerbion® mit seinen mittlerweile neun Mitarbeitern hält eine Reihe von Referenzmethoden vor, mit denen überprüft wird, wie valide der entwickelte Test ist und ob er spezifisch nur den gesuchten Erreger detektiert. Dafür müssen sie auch Tests entwickeln, um verwandte Erreger detektieren zu können. Das breite Spektrum an Methoden, über das die Mitarbeiter verfügen, sowie die hohen Qualitätsstandards im akkreditierten Labor erlauben ihnen auch, sich an klinischen Impfstoffstudien zu beteiligen. Zum Beispiel zur Entwicklung von Impfstoffen gegen das Vogelgrippevirus. gerbion® bestimmt etwa im Auftrag von Pharmafirmen die Menge wirksamer Antikörper gegen den Krankheitserreger in Seren geimpfter Probanden mit Hilfe eines Hämagglutinationshemmtests oder eines Neutralisationstests.

„Gerade weil wir so ein kleines Unternehmen sind, können wir viel schneller und flexibler auf Kundenwünsche eingehen als die großen Diagnostiklabore“, sagt Metzger-Boddien. Mit Dienstleistung und Qualität hofft Metzger-Boddien auch gegenüber der großen Konkurrenz aus China punkten zu können. „Die Schlagrichtung und die Ziele des Unternehmens stimmen jedenfalls: 2012 hat das Unternehmen eine positive Entwicklung durchlaufen“, so Metzger-Boddien.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/gerbion-krankheitserregern-auf-der-spur