zum Inhalt springen
Powered by

International Gentechnik im Saatgut aufspüren

Gentechnische Veränderungen von Saatgut können schwerwiegende Folgen haben. Darum können schon kleinste Mengen an gentechnisch verändertem Material dazu führen, dass das Saatgut nicht mehr verkehrsfähig ist. Von hoher Bedeutung für den internationalen Saatguthandel sind daher internationale Vorschriften zur Saatgutüberprüfung. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe ist bei der Internationalen Vereinigung für Saatgutprüfung (ISTA) akkreditiert und führt in Kooperation mit derselben internationale Ringversuche zur GVO-Saatgutanalytik durch.

Die ISTA erarbeitet Methoden zur Qualitätsprüfung von Saatgut und stellt diese nach Abstimmung und Annahme auf internationaler Ebene für die Untersuchung von Saatgut bereit, so auch Methoden zur Untersuchung auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Die in diesem Zusammenhang durchgeführten Ringversuche zielen darauf ab, weltweit einheitliche und vergleichbare Untersuchungsergebnisse bei der Saatgutanalyse zu erhalten. Diese bilden die Grundlage für einen sicheren internationalen Saatguthandel. Sechs dieser Ringversuche zur GVO-Analytik wurden im Zeitraum zwischen Juni 2010 und August 2013 im Rahmen eines von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung finanzierten Kooperationsprojektes des LTZ und der ISTA durchgeführt.

Keine internationale Test-Standardisierung trotz strenger Richtlinien

„Ziel der Untersuchungen ist es sicherzustellen, dass die Qualität der Saatware in Bezug auf GVO den Angaben des Inverkehrbringers entspricht und damit sichergestellt werden kann, dass nicht ungewollt gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Feldern wachsen“, erklärt Frau Dr. Andrea Jonitz, Leiterin des Referats für Saatgutuntersuchung am LTZ Augustenberg. „Auf diese Weise wird auch eine Belastung des Ernteguts mit gentechnisch veränderten Bestandteilen ausgeschlossen.“ Zwar seien bis jetzt noch keine größeren Anteile gentechnisch veränderter Bestandteile im Saatgut entdeckt worden, jedoch sei es nicht auszuschließen, dass etwa durch Verschleppungen bei der Ernte und Aufbereitung oder beim Transport von Pflanzen Verunreinigungen entstehen könnten.

Welcher Anteil an gentechnisch verändertem Material im Saatgut vorhanden sein darf, ist in Europa gesetzlich genau vorgeschrieben: Unabhängig von weiteren EU-Vorgaben muss sichergestellt werden, dass der Anteil gentechnisch veränderter Bestandteile im Saatgut unter der technischen Nachweisgrenze von 0,1 Prozent liegt. Die OECD legt außerdem fest, dass Saatgut erst nach eingehender Prüfung auf der Grundlage von ISTA-Kriterien auf den Markt gebracht werden darf. Diese Regelung erfüllt ihren Sinn jedoch erst dann, wenn weltweit einheitliche Methoden zur Untersuchung von Saatgut auf gentechnisch veränderte Bestandteile angewandt werden. „Zwar existieren schon mehrere Methoden zur Untersuchung von Saatgut, jedoch ist es noch zu keiner vollständigen internationalen Standardisierung gekommen“, erläutert Jonitz. Neben dem Kompetenznachweis der akkreditierten Labore sollen die durchgeführten Ringversuche der weiteren Vereinheitlichung von Methoden dienen.

Zur Durchführung der Versuche musste zunächst entschieden werden, welche Formen von gentechnischer Veränderung (sogenannte GVO-Events) von Saatgut untersucht werden sollen. Diese mussten zur Probenherstellung mit GVO-freiem Material, dem sogenannten Nullmaterial, vermischt werden. Während die Erstellung des Testdesigns, die Auswahl der GVO-Events, die Ankündigung und Organisation der Versuche sowie die anschließende Auswertung von den zuständigen Einrichtungen der ISTA vorgenommen werden, obliegen dem LTZ die Untersuchung und Herstellung sowie der Versand der Proben.

Das LTZ Augustenberg: Vorreiter in der Saatgutanalytik

Das Bild zeigt Pipettierarbeiten zur Aufreinigung von DNA, die für die Voruntersuchungen des im Ringversuch verwendeten Saatguts notwendig sind. Die aufgereinigte DNA wird anschließend vermehrt und auf gentechnisch veränderte DNA-Stücke untersucht. © LTZ Augstenberg

Dass gerade das LTZ Augustenberg mit der Probenüberprüfung und -herstellung beauftragt wurde, verdankt es seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der Methodenentwicklung. Der vorbeugende Verbraucherschutz ist eines der Kerngebiete des Technologiezentrums, das eine Einrichtung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg ist.

Bereits seit 2001 führt das LTZ GVO-Untersuchungen nach Methoden der ISTA durch. Damit ist es eines der ersten ISTA-Labore, die für die Untersuchung gentechnisch veränderter Organismen am Saatgut bei der ISTA akkreditiert wurden. „Neben dem LTZ Augustenberg besitzt in Deutschland nur noch die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft Jena eine ISTA-Akkreditierung für die GVO-Untersuchung von Saatgut“, erklärt Jonitz.

Insgesamt sechs Mitarbeiter des LTZ aus dem Bereich der Saatgut- und Futtermitteluntersuchung sowie der Mikrobiologie sind an der Durchführung der Versuche beteiligt. Die Voruntersuchungen des Saatgutes auf seinen Gehalt an gentechnisch verändertem Material wurden per Real-time PCR mit Hilfe des Geräts LightCycler LC 480 durchgeführt. Dabei wird die aus den Samen extrahierte DNA unter Zugabe spezifischer Reagenzien (Polymerase, Oligonukleotide und Sonde) durch PCR vermehrt, und der Gehalt an definierten DNA-Sequenzen wird durch spezifische Marker detektiert. So wird das Erkennen und Zuordnen gentechnisch veränderter DNA-Stücke und deren Anteile in der Probe in Echtzeit möglich.

Bei der anschließenden gezielten Vermischung von Nullmaterial und GVO-Events wurden für jeden Versuch verschiedene Proben angefertigt, die sich in ihrem Anteil an GVO-Events unterscheiden. „Neben Proben ohne GVO-Events wurden pro Versuch drei bis vier weitere mit Anteilen von GVO-Events zwischen 0,11 und zwei Prozent hergestellt“, erläutert Jonitz. Dabei wurden Samen von Soja, Lein und Mais verwendet. Jeweils 40 bis 54 Labore aus Deutschland, der EU und dem internationalen Ausland nahmen an den Versuchen teil, wobei pro Labor acht bis zehn Proben untersucht wurden.

Ergebnisse der ersten drei Versuche, die mit Saatgutproben von Soja (Glycine max), Lein (Linum usitatissimum) und Mais (Zea mays) durchgeführt wurden. Während bei der qualitativen Untersuchung ein Großteil der Labore fehlerfreie Ergebnisse lieferte, kam es bei der quantitativen Bestimmung bei einigen Laboren zu deutlichen Abweichungen. © ISTA Sekretariat, Zürich Bassersdorf, CH

Hohe Testsicherheit im qualitativen Bereich

Die Auswertung der Versuche erfolgt sowohl qualitativ als auch quantitativ. Bei der qualitativen Untersuchung wurde allein die korrekte Identifizierung der Proben hinsichtlich des Vorkommens von gentechnisch verändertem Material, bei der quantitativen Untersuchung hingegen auch die korrekte Angabe des Anteils an GVO-Events erfasst. Bei den drei bisher ausgewerteten Versuchen bestimmten zwischen 87 und 93 Prozent der Labore das Vorkommen von GVO-Events korrekt. Größere Schwierigkeiten bereitete hingegen die quantitative Analyse der Proben: Hier kam es je nach Versuch bei bis zu zwei Dritteln der Labore zu deutlichen Abweichungen. Die Versuchsergebnisse sollen als Grundlage für die weitere Methodenentwicklung der ISTA, aber auch für die Diskussion über Schwellenwerte für GVO-Saatgut innerhalb Deutschlands und der OECD dienen. Aufgrund der kritischen Aufmerksamkeit, die der grünen Gentechnik in Deutschland zuteil wird, kommt den Versuchen eine erhebliche Bedeutung zu.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/international-gentechnik-im-saatgut-aufspueren