zum Inhalt springen
Powered by

Mit Biokunststoffen das Gewicht optimieren

Kunststoffe sind aus dem Leichtbau nicht mehr wegzudenken. Die Zeitschrift lightweightdesign beschreibt in ihrer vierten Ausgabe 2011, dass biobasierte Kunststoffe ihre erdölbasierten Vorgänger bald verdrängen könnten.

Dass Biokunststoffe nachhaltige Alternativen zu den auf erdölbasierten Kunststoffen sind, weiß man mittlerweile in zahlreichen Branchen. Dass sie damit auch eine Rolle im Leichtbau einnehmen können, erläutert die Zeitschrift lightweightdesign in ihrer Ausgabe 4/2011. Die Fachzeitschrift für den Leichtbau bewegter Massen berichtet sechs mal im Jahr über den Einsatz von Leichtbauwerkstoffen und Leichtbaustrukturen, um Gewicht zu reduzieren und Energie einzusparen. Der Fokus der Ausgabe 4/2011 liegt auf dem Thema Biobasierte Kunststoffe.

Titelbild der Ausgabe 4/2011 der Fachzeitschrift lightweightdesign © Vieweg+Teubner /Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH

Wie die Rahmenbedingungen für die biobasierten Kunststoffe in Europa sind, berichtet Dr. Harald Käb, Gründer der Innovationsberatung narocon und ehemaliger Vorstandvorsitzender des Industrieverbands European Bioplastics. Der Fachmann erklärt den Begriff Biokunststoff und gibt einen Einblick in die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Kunststoffe, sei es Fujitsus neue Computertastatur aus verschiedenen biobasierten Compouds oder biobasierte Polyamide in verschiedenen Anwendungen im Automobilbereich. Dem Letzteren, dem anspruchsvollen Hochleistungskunststoff, schreibt der Autor in den nächsten Jahren ein großes Wachstum zu. Wurden im Jahr 2010 noch mehr bioabbaubare als biobasierte technische Kunststoffe hergestellt so sieht Harald Käb hier schon in den nächsten Jahren eine Trendwende.

Doch, die Branche steckt noch in den Kinderschuhen, denn im Jahr 2009 nahmen Biokunststoffe am Markt nur etwa ein Prozent ein. Und selbst wenn sich die von European Bioplastics geschätzen Wachstumswerte bewahrheiten, werden, laut Käb, noch Jahre vergehen, bis Biokunststoffe einen bedeutenden Marktanteil erreicht haben. Er sieht hier die Verantwortung besonders bei den großen Unternehmen, wie zum Beispiel Coca-Cola, Danone oder Procter & Gambel. Diese sind zum Teil schon in das Geschäft mit den Biokunststoffen eingestiegen und bringen Dynamik in den Markt. So treiben nicht nur innovative Unternehmen den Markt an sonder, laut Käb, auch der gestiegen Marktanforderungen auch dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Zuletzt sieht der Autor die Verantwortung auch in der Politik, die an die Innovation des Marktes noch nicht aufgeschlossen hat. Die Förderung der thermischen Verbrennung ist nach Käbs Worten zu einseitig und so erhofft er sich eine neue sachliche Diskussion über die nachhaltige Nutzung von Biomasse.

Nachhaltigkeit wird gefordert

Aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) wird das Rizinusöl gewonnen. © Michael w / www.wikipedia.de

Während Harald Käb die breite Palette der Biokunststoffanwendungen beschreibt, geht Bert Havenith, Global R&D-Manager Automotive bei DSM in Geleen in den Niederlanden, ins Detail. Er erläutert am Beispiel von DSM, wie das Unternehmen neue Kunststoffe aus fossilen als auch biobasierten Rohstoffen entwickelt. Es gelingt Havenith zu zeigen, dass sich der Einsatz von biobasierten Kunststoffen in der Automobilbranche lohnt, um die CO2-Bilanz des Produktes zu verbessern. Denn um Emission und Kraftstoffverbrauch am Auto zu reduzieren, werden bereits viele Kunststoffe eingesetzt: Warum also nicht einen Schritt weiter gehen? So ist es laut Havenith bereits technisch möglich für 92 Prozent der ölbasierten Polymere Alternativen zu finden. Am Beispiel von EcoPaXX, ein auf Diaminopentan und Sebacinsäure basierendes Polyamid (PA4.10), verdeutlicht der Autor die Eigenschaften eines biobasierten Werkstoffs der den Anforderungen der Automobilindustrie gerecht wird. Weiterhin wird durch die Gewinnung der Sebacinsäure aus Rizinusöl eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau vermieden, da die Rizinuspflanze auf relativ kargen Böden wachsen kann.

Ulrich Knorra, Redakteur von leightweightdesign, schreibt in seinem Vorwort, dass CO2-neutrales Wirtschaften nicht nur ethisch richtig sei, sondern auch zunehmend von der Industriegesellschaft gefordert wird. Damit fasst er zusammen, was die beiden Autoren zum Titelthema Biobasierte Kunststoffe im Detail beschreiben. Die Zeitschrift lightweightdesign zeigt somit in ihrer vierten Ausgabe 2011 einen Weg zu einer nachhaltigen Bioökonomie.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/mit-biokunststoffen-das-gewicht-optimieren