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Rezension „Biomasse: Perspektiven räumlicher Entwicklung“

Die Autoren des Heftes „Biomasse: Perspektiven räumlicher Entwicklung“ aus der Reihe „Informationen zur Raumentwicklung“ des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt-, und Raumforschung informieren über die Auswirkungen des Biomasseanbaues auf die Entwicklung unserer Kulturlandschaften, die Biodiversität und den Naturschutz. In neun wissenschaftlichen Artikeln und Studien werden die Potenziale des Biomasseanbaues, der erforderliche Steuerungsbedarf sowie die Möglichkeiten und Aufgaben der Raumplanung von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Biomasse: Perspektiven räumlicher Entwicklung © BBSR

Im Hinblick auf steigende Preise fossiler Energieträger und deren Endlichkeit ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE) immer weiter in den Fokus der Politik und der Öffentlichkeit gerückt. Bereits seit einigen Jahren gibt es auf Bundes- und EU-Ebene festgesteckte Ziele für den Energie-Mix der Zukunft. So sieht das europäische „EU-Klima- und Energie-Paket“ unter dem Motto 20-20-20 eine Reduktion der CO2 Emission um 20 % gegenüber 1990, einen Gesamtanteil der EE in der EU von 20 % und eine Steigerung der Energieeffizienz um 20 % vor. Im Rahmen des Integrierten Energie- und Klimaprogrammes (IEKP) aus dem Jahre 2007 legte das Bundeskabinett in Anlehnung an die EU-Vorgaben den Ausbau der EE als einen Eckpfeiler der Energiepolitik fest. Bis zum Jahre 2020 soll ein Anteil der EE am Bruttoenenergieverbrauch von 18 % erreicht werden.

Der weitere Ausbau der EE, insbesondere aus Biomasse, ist jedoch durchaus umstritten. Am häufigsten wird hier die „Tank-oder-Teller“-Frage diskutiert. Hand in Hand mit dieser Frage, jedoch weniger im Fokus der Öffentlichkeit, gehen die Veränderungen in der Flächennutzung durch die Bereitstellung weiterer Landflächen für den Anbau von Biomasse. Genau hier setzt das Heft „Biomasse: Perspektiven räumlicher Entwicklung“ aus der Reihe „Informationen zur Raumentwicklung“ des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt-, und Raumforschung an.

Der Zusammenhang zwischen Biomasse und räumlicher Entwicklung

Als große Klammer dient der Fakt, dass Biomasse die flächenintensivste Form der EE ist. Bioenergieanlagen sind sowohl in Nord- als auch Süddeutschland inzwischen weit verbreitet. Es gibt es jedoch noch einige schwarze Flecken auf der Landkarte, insbesondere in stark urban geprägten Gebieten. Doch auch hier finden sich durch Bio- und Grünabfälle erschließenswerte Energiepotenziale.

Letztlich stellt sich jedoch die Frage: „Wie kann Bioenergie auch entfernten Verbrauchsräumen zur Verfügung gestellt werden, ohne durch lange Transportwege der Biomasse zum Verarbeitungsort den CO2-Minderungseffekt zu konterkarieren?“ Dieser recht allgemeinen Fragestellung widmet sich der erste Artikel des Heftes „ Alles im grünen Bereich? Bioenergie: Beitrag zu bundespolitischen Zielen und Anforderungen an räumliche Entwicklung“ von Alexander Wacker und Lars Porsche und verschafft dem Leser einen guten Einstieg in die Materie. Bereits der folgende Artikel von Autoren des Deutschen BiomasseForschungsZentrums und dem Leipziger Institut für Energie geht weiter in die Tiefe und präsentiert die Ergebnisse einer Studie über die räumliche Relevanz und die technischen Anforderung der Bioenergie als alleinige bzw. anteilige Energieform der dezentralen Energieversorgung. Verglichen werden hier die Prognosen für das Jahr 2020 der Referenzregionen Cham, Kyffhäuser und Uecker-Randow. Allerdings ließ sich in keinem der Szenarien und Regionen eine Selbstversorgung auf Basis von Biomasse realisieren. Es folgen Artikel zum Thema Biomassepotenziale aus Energiepflanzen und der Forstwirtschaft, Biomasseanbau in Bezug zum Naturschutz und Artikel rund um die Themen Regional- und Raumplanung.

Geographie für Fortgeschrittene

Farbige Abbildungen helfen die komplexen Inhalte zu vermitteln © BBSR

Zwar stehen die Einzeltexte für sich selbst, gelegentliche Verweise auf weiterführende Informationen in den anderen Artikeln helfen dem Leser jedoch die geballten Informationen zu verarbeiten. Allerdings ergibt sich aus der Sammlung von Einzeltexten auch eine gewisse Redundanz. Insbesondere die Einleitungen der Artikel ähneln sich sehr und greifen immer wieder die gleichen Daten und politischen Vorgaben auf.

Zudem erweist sich das Heft für Laien als zu speziell. Wer Grundlagen zur Bioenergieerzeugung aus Biomasse erwartet, wird enttäuscht werden. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf Seiten der Regionalplanung und Raumentwicklung. Dadurch erfordert das Heft auch von reinen Naturwissenschaftlern einiges an geistiger Flexibilität. Nicht jeder wird sich ohne Weiteres in Abbildungen zu „Einzugsgebietanalysen“ oder zum „Potenzial landwirtschaftlicher Biomasse zur Einspeisung in das Erdgasnetz“ zurechtfinden. Alles in allem sind die farbigen Abbildungen jedoch gelungen und tragen zum besseren Textverständnis erheblich bei.

Gerade den Nicht-Geographen unter den Lesern empfiehlt sich der Artikel „Raumbezogene Analyse des Technologiepfades Biogaseinspeisung durch Einsatz von Geoinformationssystemen“ von Michael Jandwerth und Wolfgang Urban. Er vermittelt noch am ehesten Grundlagen für die Vorgehensweise und Methodik bei der Datenerhebung mit Geoinformationssystemen zur Raumplanung. Diese Grundlagen können später zum besseren Verständnis der weiteren Texte beitragen.

Es zeigt sich, dass das Problem der Energiewende nicht alleine mit der Entwicklung neuer verbesserter Verfahren zur Energiegewinnung aus Biomasse gelöst ist. Die Probleme fangen bereits bei der Ausweisung geeigneter Anbauflächen an und gehen über den Transport der Biomasse zum Kraftwerk hin zum Transport der Energie zum Verbraucher.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/rezension-biomasse-perspektiven-raeumlicher-entwicklung