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Thomas Hirth - Immer auch in Produkten denken

Integrierte Konzepte sind das Erfolgsrezept des neuen Leiters am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. Hirth ist von Haus aus Chemiker, hat es aber in seiner langjährigen Fraunhofer-Karriere schon immer verstanden, benachbarte Fachgebiete in seine Vorhaben einzubinden.

Integration ist das große Thema von Prof. Dr. Thomas Hirth, dem 45-jährigen neuen Leiter des Fraunhofer IGB in Stuttgart. Dabei geht es ihm nicht nur darum, ein breites Themenspektrum zusammenzuführen, sondern vor allem möchte er die Menschen einbeziehen, mit allen Mitarbeitern gemeinsam auf Erfolgskurs gehen. Denn: „Erfolg hat man immer nur gemeinsam oder gar nicht“, ist sich Hirth sicher.
Prof. Dr. Thomas Hirth, neuer Leiter des Fraunhofer IGB (Foto: IGB)
Als Institutsleiter möchte er sich dabei möglichst nahe an den Mitarbeitern positionieren. Mit einer Metapher aus dem Sport erklärt Hirth, wie er das meint: „Ich will nicht der Trainer sein, der das Geschehen nur vom Spielfeldrand aus verfolgt. Beim Fußball ist der Spieler mit der Nummer Zehn der Spielführer und als solch ein Spielführer möchte ich mitten im Geschehen sein“, sagt Hirth. Seine Erfahrung als Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal hat ihm gezeigt, dass er mit diesem Selbstverständnis sein Team am besten motivieren kann.

Als Führungsperson nahe am Geschehen bleiben

Thematisch war der gebürtige Badener schon von Beginn seiner Karriere an sehr vielseitig aufgestellt. So bezog er nach dem Chemiestudium technische Fragestellungen in seine Doktorarbeit mit ein, bei der er sich mit überkritischen Fluiden befasste. Die Leidenschaft für die Naturwissenschaften packte Hirth aber schon im Schulalter, nämlich mit dem ersten Experimentierbaukasten. „Mit 15 war bereits klar, dass die Chemie mein Fach war. Ich wechselte vor dem Abitur sogar noch das Gymnasium, um einen Leistungskurs Chemie belegen zu können, der an meiner vorherigen Schule leider nicht zustande kam“, erinnert sich Hirth.

Nach der Promotion in Physikalischer und Technischer Chemie an der Uni Karlsruhe startete er sein Berufleben quasi gleich um die Ecke: Hirth ging ans Fraunhofer ICT, nur wenige Kilometer östlich von Karlsruhe. Hier war er im Bereich Verfahrenstechnik tätig, die Umweltverfahrenstechnik war einer seiner Schwerpunkte. Nach nicht einmal drei Jahren übernahm er am ICT die Abteilung Umwelt-Engineering und baute sie zu einer der größten Abteilungen im Fraunhofer ICT aus.

Fraunhofer-Schwerpunkt Umweltchemie auf- und ausgebaut

"Als ich 1992 zum ICT kam, war es stark wehrtechnisch orientiert, ein Schwerpunkt war die Chemie der Treib-und Explosivstoffe. Ich war dann mit verantwortlich für den Aufbau des zivilen Bereichs, der heute über drei große Standbeine verfügt, die Umwelttechnik, die Polymertechnik und die Elektrochemie“, so Hirth. Seit 1994 arbeitete er bereits auf mehreren Ebenen mit dem Stuttgarter IGB zusammen. „Die Dichte der Zusammenarbeit hat über die Jahre immer mehr zugenommen. Zu Beginn kooperierten wir vor allem bei Projekten im Bereich Umwelttechnik und Oberflächenreinigung. Anfang 2000 sind wir in Pfinztal intensiv in den Bereich Nachwachsende Rohstoffe eingestiegen und haben auch auf diesem Gebiet mit Stuttgart Kooperationen lanciert“, sagt Hirth.
Prof. Dr. Thomas Hirth ist bereits seit 15 Jahren in der Fraunhofer-Welt zuhause. (Foto: IGB)
In der nachhaltigen, industriellen Nutzung nachwachsender Rohstoffe sieht Hirth eines der großen Zukunftsthemen, an dem ihm auch persönlich viel liegt. Seit drei Jahren leitet Hirth das Forschungs- und Innovationsthema „industrielle weiße Biotechnologie“, in dem bundesweit insgesamt acht Fraunhofer-Institute eingebunden sind. Einige der Projekte, die Hirth in diesem Rahmen akquiriert hat, wird er auch von Stuttgart aus weiter begleiten. Unter anderem ist ein BMBF-finanziertes Projekt dabei, bei dem mithilfe biotechnologischer Prozesse Bausteine für diverse Wirtschaftszweige von der Pharmaindustrie bis zu Feinchemie entwickelt werden.

Führen, forschen, lehren - und dabei Mensch bleiben

Mit dem Wechsel nach Stuttgart wird Hirth seine Lehrtätigkeit stark ausweiten. Seit rund 15 Jahren ist er Dozent und seit 2003 Honorarprofessor an der FH Wiesbaden, jetzt kommt die Lehre an der Uni Stuttgart hinzu. Hirth hat am 1. April von seinem Vorgänger Prof. Dr. Herwig Brunner auch den Lehrstuhl für Grenzflächenverfahrenstechnik und die Leitung des gleichnamigen Instituts übernommen, das nach einer Umstrukturierung der Universität jetzt an der Fakultät Energie-, Verfahrens- und Biotechnik angesiedelt ist.

Trotz der vielfältigen beruflichen Aktivitäten ist für Hirth immer auch der Privat- und Familienbereich sehr wichtig. Die Entscheidung, nach Stuttgart zu gehen, hat der dreifache Vater nicht allein getroffen. „Es war eine Familienentscheidung und nur so geht es im Grunde, denn nur wenn die Familie das mitträgt, ist man auch belastbar“, betont Hirth. Die Familie unternimmt viel gemeinsam, von Kurztripps an den Bodensee bis zu Reisen nach Südfrankreich. Das Languedoc ist Hirths bevorzugtes Urlaubsgebiet. „Hier das Land und das Leben zu genießen gibt mir immer wieder viel Kraft für den Beruf“, sagt Hirth.

leh - 20.05.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen zum Beitrag:
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Prof. Dr. Thomas Hirth
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Tel.: 0711 970-4400
Fax: 0711 970-4006
E-Mail: thomas.hirth@igb.fraunhofer.de
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/thomas-hirth-immer-auch-in-produkten-denken