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Jodid aus Meeresalgen beeinflusst das Küstenklima

Fast genau 200 Jahre nach der Entdeckung von Jod als neues Element in der Asche mariner Algen zeigt eine Studie mit Konstanzer Beteiligung, dass marine Tange, wenn sie Stress ausgesetzt sind, große Mengen Jod abgeben. Dieser Vorgang trägt zur Wolkenbildung bei und beeinflusst damit das Klima.

Die internationale Studie mit Beiträgen aus Großbritannien, den USA, Frankreich, der Schweiz, dem Europäischen Molekularbiologischen Labor (EMBL), den Niederlanden und Deutschland kann man seit dieser Woche in den renommierten „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) nachlesen.

Marine Algen spielen eine Schlüsselrolle im globalen Jodkreislauf und beim Abbau von Ozon an der Meeresoberfläche. Die großen Braunalgen der Gattung Laminaria weisen unter allen lebenden Systemen die stärkste Anreicherung des für die Funktion der Schilddrüse essentiellen Jod auf. Die chemische Form wie auch die biologische Funktion von Jod in Laminaria waren bis jetzt weitgehend unklar. Die soeben erschienene Veröffentlichung in PNAS zeigt, dass Jod in Laminaria als Jodid vorliegt, welches die Funktion eines anorganischen Antioxidans (d.h. Entgiftung potenziell toxischer, reaktiver Sauerstoffspezies) erfüllt - des ersten, das aus einem lebenden System beschrieben wird.

„Wenn Tange oxidativem Stress ausgesetzt sind, zum Beispiel bei hohen Lichtintensitäten, Austrocknung oder Ozon bei Niedrigwasser, geben sie große Mengen Jodid aus ihrem Gewebe an die Umgebung ab“, erklärt Dr. Frithjof Küpper von der Scottish Association for Marine Science (SAMS) im schottischen Oban. Die Forschung, auf der die Studie beruht, hat 2001 an der Universität Konstanz mit dessen Dissertation ihren Anfang genommen. Später führte sie der damalige Nachwuchswissenschaftler beim Konstanzer Biologen Prof. Peter Kroneck fort, der neben Eva-Maria Boneberg, Sonja Woitsch und Markus Weiller zu den Konstanzer Mitautoren gehört. Der Biologe Küpper arbeitet seit Ende 2003 als Lecturer und Leiter der Kulturensammlung CCAP fest angestellt bei SAMS.

„Dieses Jodid entgiftet reaktive Sauerstoffspezies wie Ozon, die sonst großen Schaden an den Algen anrichten könnten. Bei dem Prozess wird molekulares Jod frei – das man regelrecht riechen kann. Unsere Ergebnisse zeigen den biologischen Hintergrund der Bildung von Jodoxiden, die als Kondensationskeime für die Wolkenbildung dienen“, erklärt Küpper. In ähnlicher Weise werden große Mengen Jodid in das Meerwasser abgegeben, wenn Tange sich gegen Krankheitserreger mit einer Art von Entzündungsreaktion verteidigen.

Literatur: Küpper FC, Carpenter LJ, McFiggans GB, Palmer CJ, Waite TJ, Boneberg E-M, Woitsch S, Weiller M, Abela R, Grolimund D, Potin P, Butler A, Luther III GW, Kroneck PMH, Meyer-Klaucke W, Feiters MC (2008): „Iodide accumulation provides kelp with an inorganic antioxidant impacting atmospheric chemistry“. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 105: 6954-6958

Quelle: Uni-Konstanz – 14.05.08 (P)
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/pm/jodid-aus-meeresalgen-beeinflusst-das-kuestenklima