zum Inhalt springen
Powered by

„Sêlva – Der Regenwaldschuh“ für den Bundespreis Ecodesign 2012 nominiert

Das deutsch-ugandische Familienunternehmen BARK CLOTH® hat zusammen mit Vimagana - Markus Werner Footwear Concepts, der Spezialschuhfabrik Adolf Werner und den Kooperativen Coomflona und Aflomar im Amazonas den auf nachwachsenden Rohstoffen-basierenden Regenwaldschuh "Sêlva" entwickelt. Dieser wurde nun für den vom Bundesumweltministerium verliehenen Bundespreis Ecodesign vorgeschlagen. Die Gewinner werden am 22. November 2012 bekannt gegeben.

Sêlva - Der Regenwaldschuh © BARK CLOTH_europe

Textilartige Vliese von Bäumen gelten als Ur-Werkstoffe mit jahrtausende alter Geschichte. Designer schätzen den ausdrucksstarken Charakter, ihre einzigartige Textur und sinnliche Haptik. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt testet sie als Matrix für Faserverbundplatten, die außergewöhnlich günstige Biegeelastizitäten und Schlagzähigkeiten aufweisen. Und Baumrindenvlies (Bark Cloth) aus Uganda wurde gar in 2008 als bislang einziges Material zum offiziellen UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Schon 1999 nahm das Unternehmen BARK CLOTH® gemeinsam mit ugandischen Bio-Bauern seine Tätigkeit als Pionier systematischer Baumrindenvliesproduktion auf. Das einstige Entwicklungshilfeprojekt in Kooperation mit dem BMZ–Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und der GIZ–Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sichert mittlerweile hunderten kleinbäuerlichen Familien ein Einkommen. 2005 begann BARK CLOTH®, seine Aktivitäten auf Kooperativen in Regenwaldregionen von Honduras und Brasilien auszuweiten.

Das Vlies BARKTEX®_Tururi+Latex ist ein Biokomposit aus der sich permanent erneuernden Fruchtstandhülle (Turiri) der wildwachsenden Palme Manicaria saccifera, benetzt mit Naturlatex des Kautschukbaums Hevea brasiliensis. Das nachwachsende technische Agroforsttextil wird zu 100% aus Bäumen gewonnen, ohne diese jemals zu verbrauchen. Es ist Nachfolger des BARKTEX®_Plus-Latex, das in 2008 die Auszeichnungen „BioWerkstoff des Jahres“ und „Materialica Design + Technology Award“ für herausragendes Materialengineering erhielt und für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert wurde. Während aber BARKTEX®_Plus-Latex „nur“ CO2-neutral war, ist die Bilanz von BARKTEX®_Tururi+Latex CO2-positiv, da die Palmen und Kautschukbäume in ihrer Lebenszeit mehr Sauerstoff produzieren, als Produktion und Transport des Materials Kohlendioxid emittieren. Das Halbzeug wird durch ein einzigartiges, energiearmes, dezentralisiertes und „dematerialisiertes“ Verfahren gewonnen. Das Substitut für erdölbasierte Vliese eignet sich zur Verpolsterung, für Sportgeräte und modische Accessoires, armierte Gehäuseoberflächen, Detaillösungen im Automotive Sektor – und für Schuhe.

Emissionsfreie Produktion durch Gummizapferkooperativen im Amazonas

Latexernte © BARK CLOTH_europe

Gummizapferkooperativen im östlichen Amazonas fertigen daraus mit emissionsfreien, traditionell-nachhaltigen Techniken biologisch abbaubare Schuhe und erwirtschaften so in ökologisch sensiblen Systemen Einkommen. Das Konzept entstand aus der Erkenntnis, daß der effektivste Regenwaldschutz gegen illegalen Holzeinschlag darauf basiert, die Lage von Regenwaldbewohnern mittels Nachfrage nach deren Produkten aus nachwachsenden Ressourcen zu stärken. Der Prototyp 'Sêlva 01' wurde im Juni in Rio de Janeiro im Rahmen der UNO Konferenz zur Nachhaltigen Entwicklung (Rio+20) als beispielhaftes Projekt für 'Green Economy' vorgestellt und von der GIZ zum Beitrag Deutschlands zur Initiative 'Grüne Märkte bilden – Biodiversitätserhalt, sozialer Ansatz und Wohlstandsgewinn' deklariert.

„Sêlva – Der Regenwaldschuh“ ist eine Entwicklung des deutsch-ugandischen Familienunternehmens BARK CLOTH® mit Vimagana - Markus Werner Footwear Concepts, der Gummizapferkooperative Coomflona, der Fasersammler-Frauenkooperative Aflomar und der Spezialschuhfabrik Adolf Werner. Die Zertifizierung für die kontrollierte Wildsammlung erfolgt durch das Regenwald-Institut - Institut für angewandten Regenwaldschutz. Derzeit werden weitere Schuhmodelle entwickelt. Nun sollen diverse Markenlabels angesprochen werden, unter denen die Schuhe vertrieben werden könnten. Eine Anschubfinanzierung für eine Vorserie von 1000 Paaren ist durch BARK CLOTH®, das BMZ und eine Crowdfundingaktion gesichert.

Bundespreis Ecodesign

Während der bislang als „Preis der Preise“ bezeichnete Designpreis Deutschland bzw. German Design Award seit 2012 nur noch privatwirtschaftlich veranstaltet wird und damit Zweifel an seiner Neutralität aufkommen, gilt der erstmals vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ausgelobte Bundespreis Ecodesign schon jetzt aufgrund seiner hochkarätig besetzten interdisziplinären Fachjury und komplexem Kriterienmatrix entlang des gesamten Produktlebenszyklus als weltweit wichtigster Preis für ökologisches Design und die Förderung sozio- ökologischer Innovationen. Schon eine Nominierung gilt als Auszeichnung. Die Gewinner werden am 22.November im Bundesumweltministerium bekannt gegeben.

BARK CLOTH® - Netzwerkpartner der BIOPRO Baden-Württemberg

BARK CLOTH® betreibt die konsequente Entwicklung und Produktion von ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Fasermaterialien für unterschiedliche Sektoren in Industrie und Handwerk. Für seine Werkstoffentwicklungen erhielt das Unternehmen zahlreiche Auszeichnungen – darunter einen iF Material Design Award 2005 und einen Innovationspreis 2006 der Universitätsstadt Freiburg/Breisgau – und wurde dreimal für den Designpreis Deutschland nominiert. Das Unternehmen ist Netzwerkpartner des Clusters Biopolymere/Biowerkstoffe der BIOPRO Baden-Württemberg und Mitinitiator des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt co-finanzierten NIOS- Forschungsprojekts (Nachhaltige Innovationen für den Outdoor- und Sport-Sektor).

In Uganda ist es Mitinhaber des International Bark Fibre Research and Training Institute, das es sich zum Ziel gesetzt hat, das Wissen um die Produktion von „Baumnebenerzeugnissen“ (Nichtholzwaldprodukte aus Waldgartenwirtschaft oder Wildsammlung) wie Baumrinde, Fruchtstandhüllen, Latex oder Nussschalen in Afrika, Lateinamerika und dem Südpazifik zu bündeln und dafür weitere industrielle und handwerkliche Anwendungen zu entwickeln.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/pm/s-lva-der-regenwaldschuh-fuer-den-bundespreis-ecodesign-2012-nominiert