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Wenn die Blaualge heimtückisch mordet

Der Toxikologe Prof. Daniel Dietrich versucht mit seiner Arbeitsgruppe an der Universität Konstanz die Frage zu klären, unter welchen Umständen Blaualgen Toxine produzieren und ob diese zu Vergiftungen bei Mensch und Tier führen können.

Beinahe spannender als jeder Kriminalroman ist das Leben. Vor allem das von Daniel Dietrich, Toxikologe an der Universität Konstanz. Sein Beruf ist so facettenreich und die Themen sind so komplex, dass es garantiert nie langweilig wird. Als Toxikologe steht natürlich Gift im Mittelpunkt des Interesses. Kenntnisse in Biologie, Medizin und Chemie sind unverzichtbar. Forscherdrang sowie detektivisches Gespür, verbunden mit logischem Denken unter Beachtung der Konsequenzen, gehören ebenfalls dazu, denn der Beruf eines Toxikologen ist beinahe allumfassend.

Die Blaualge ist zur Fahndung ausgeschrieben. Toxikologe Daniel Dietrich ist ihr auf der Spur. (Foto: Aurelia Scherrer)
Die Blaualge ist zur Fahndung ausgeschrieben. Toxikologe Daniel Dietrich ist ihr auf der Spur. (Foto: Aurelia Scherrer)

Interesse an Toxikologie und Kriminalistik

Wie kommt man auf die Idee, Toxikologe werden zu wollen? „Medizin
hatte mich interessiert und ein Stück weit auch Kriminalistik“, erzählt
Daniel Dietrich. Ausschlaggebend war allerdings ein Vortrag eines Toxikologen, der ihn inspiriert hatte. Dabei ging es darum, wie man mit Risiken umgeht, welche Auswirkungen beispielsweise Dioxin und PCB haben, ab welcher Konzentration der Stoffe es gefährlich wird. Das Interesse von Daniel Dietrich war geweckt. Er wurde Toxikologe und ist jetzt den Blaualgen auf der Spur. Er forscht und will die kleinen Giftmischer letztlich überführen. „Blaualgen findet man jetzt in jedem Tümpel“, berichtet Daniel Dietrich. „Sie können unter geeigneten Umweltbedingungen Toxine bilden.“ Zur Beruhigung: Nicht jede Blaualge ist giftig. „Es gibt Tausende Blaualgen, aber nur ein ganz geringer Teil produziert Toxine“, so Dietrich, der sich auf die schwarzen Schafe unter den Blaualgen spezialisiert hat. Die spannenden Fragen: Unter welchen Umständen produzieren sie Toxine? Und: Führen Sie zu Vergiftungen bei Fischen, Vögeln, Nutztieren und Menschen?

Aufklärung von Todesfällen in Südafrika

Daniel Dietrich arbeitet gerade an einem spannenden Fall. Im Krüger
Nationalpark in Südafrika kam es vermehrt zu Todesfällen bei verschiedenen Zebraarten, Spitzmaulnashörnern, Flusspferden, Krokodilen und Löwen. Aufgrund mangelnder Trinkwasserversorgung bauen die Menschen immer mehr Dämme. Das Wasser wird weniger durchspült und dadurch übermäßig gedüngt. Ein Paradies für Blaualgen. Jetzt die Frage: Starben die Tiere durch vergiftetes Wasser oder auch vergiftete Fische? Ist eine Blaualgenart dafür verantwortlich? Genau dies versucht Daniel Dietrich mit seinem Team zu klären. Das geschieht unter anderem durch neue Nachweisverfahren, beispielsweise durch den Nachweis von Toxinen mittels Antikörper vermittelter Anfärbung in den Lebern und anderen Organen der verendeten Tiere. „Wenn wir die Kausalität zwischen Toxinvorkommen und Tod der Tiere beweisen können, dann besteht Handlungsbedarf“, so Dietrich. Dann müssen Lösungsmöglichkeiten gesucht werden, wie der Wasservorrat so gestaltet werden kann, dass das Gedeihen von giftigen Blaualgen verhindert wird.

Blaualge als komplexes Forschungsgebiet

Ein anderer, jedoch ähnlich gelagerter Fall: In einem Gebiet in Argentinien
wird das Trinkwasser aus einem gestauten Fluss geholt. Jene Region, die über eine Trinkwasseraufbereitungsanlage verfügt, hat keine Probleme. Bei der lokalen Bevölkerung, die nicht über diese technischen Mittel verfügt, häufen sich vermehrt Krankheitsfälle. Daniel Dietrich versucht nun herauszufinden, ob sich in dem Stausee Blaualgen gebildet haben und ob diese für die gesundheitlichen Probleme der Menschen verantwortlich sind. Falls dies der Fall ist, dann müsste, so Dietrich, eine „simple, aber effiziente Wasseraufbereitungsanlage gebaut werden.“ Nur mit Forschen und Beweisen ist es für ihn nicht getan. Er gibt unumwunden zu: „Ich will einen Erfolg sehen.“ Schließlich freut es ihn, wenn er helfen und etwas bewegen kann.

Insgesamt ist sein Forschungsgebiet vollkommen komplex, vor allem weil viele verschiedene Einflüsse und Faktoren zu beachten sind. Schließlich scheint nicht nur der Klimawandel für die Zunahme an Blaualgen verantwortlich zu sein. Aber warum verbreiten sich diese Toxin-bildenden Arten nunmehr so rasch? Auch diese Frage will Daniel Dietrich klären. Deshalb reist er im Februar in die Antarktis, um dort Proben von Blaualgen zu holen. Also zurück zum Ursprung, um die Weiterentwicklung verfolgen zu können. Doch damit sind immer noch nicht alle Fragen geklärt. Dann geht die Forschungsarbeit erst richtig los.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/pm/wenn-die-blaualge-heimtueckisch-mordet