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Weniger Erdöl in CO2-senkenden Kunststoffen

Die „carbonauten minus CO2 factory 1“ startet im Sommer 2022 die Produktion von jährlich 4.000 t CO2-senkenden Kunststoffgranulaten zu günstigen Preisen.

Die carbonauten geben bekannt, dass die Finanzierung für den ersten Extruder, der Kunststoffgranulate mit bis zu 70 % Biokohlenstoffanteil produziert, gesichert ist. Insgesamt fließen rund zwei Millionen Euro in die Anlage, die ab Mitte des Jahres am Pilotstandort der carbonauten in Eberswalde in Betrieb geht. Sie wird ab Herbst jährlich mehr als 4.000 Tonnen Kunststoffgranulat produzieren. Die Besonderheit des Werkstoffs ist die Beimischung von Biokohlenstoff, der ebenfalls in der Bioraffinerie in Eberswalde durch ein spezielles Karbonisierungsverfahren produziert wird. Dessen CO2-speichernde Eigenschaften ersetzen fossile Rohstoffe und machen den daraus entstehenden Verbundwerkstoff aus ökologischer Sicht attraktiv, zudem ist der Preis im Vergleich zu erdölbasierten Kunststoffen äußerst niedrig. Darüber hinaus verbessern sich durch die Beimischung Eigenschaften wie thermische und mechanische Belastbarkeit sowie UV- und Temperaturresistenz. Die carbonauten gehen davon aus, dass die Nachfrage das Produktionskontingent übersteigen wird und planen bereits dutzende weitere Anlagen auf der ganzen Welt.

Am Standort Eberswalde beginnen die carbonauten noch dieses Jahr mit der Produktion von jährlich bis zu 7.500 Tonnen Biokohlenstoff aus regionalen Biorestmassen. Durch die trockene Destillation speichert jede Tonne des Biokohlenstoffs dauerhaft bis zu 3,3 Tonnen CO2, was ihn nicht nur klimaneutral, sondern CO2-negativ macht, „minus CO2“ eben. Daraus entstehende Produkte sind zudem besonders einfach rezyklierbar oder können sogar so gestaltet werden, dass sie zu wertvoller schwarzer Erde („Terra Preta“) kompostierbar werden. Diese vorteilhaften Eigenschaften übertragen sich auch auf die Verbundwerkstoffe, die ab diesem Jahr im neuen Extruder der carbonauten entstehen: In Aussicht steht eine deutlich klimafreundlichere Alternative zu herkömmlichen, auf fossilen Quellen beruhenden Produkten.

Überzeugend ist auch der Preis, der durch niedrige Prozess- und Rohstoffkosten Verbundwerkstoffe aus anderen Quellen aussticht: „Unsere grundlegende Philosophie ist, dass ‚Öko‘ günstiger sein muss als ‚Nicht-Öko‘; und das gilt auch für unsere Kunststoffprodukte“, erklärt Torsten Becker, Gründer und Geschäftsführer der carbonauten. „Wir machen uns da nichts vor: Wir haben für die neue Anlage jetzt bereits so viele Abnehmer, weil wir unser Granulat zu günstigen Preisen anbieten können, und nicht vorwiegend wegen den ökologischen Vorteilen und besseren Eigenschaften.“

Die Abnehmer für die Verbundstoffe aus der carbonauten Anlage sind aus der deutschen Premium-Automobilindustrie, aber auch aus der Kunststoff- und Verpackungsindustrie sowie aus der Landwirtschaft und Baubranche. „Neben den geringeren Kosten gegenüber Verbundstoffen auf fossiler Basis spielen da natürlich auch die vorteilhaften Materialeigenschaften eine Rolle“, erklärt Torsten Becker. Die Automobilbranche profitiere beispielsweise von der Robustheit der Verbundstoffe mit Biokohlenstoffanteil bei gleichzeitig geringem Gewicht. „Und Mulchfolien für die Landwirtschaft auf dieser Basis muss man nicht verbrennen oder entsorgen, sondern kann die nach Gebrauch als Dünger in die Erde geben – das spart wieder Kosten, verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und ersetzt Kunstdünge.“

Die carbonauten gehen davon aus, bereits nach einem Jahr die Investitionskosten durch den Absatz von Verbundwerkstoffen amortisiert zu haben. Und da die Nachfrage nach kostengünstigen, hochwertigen und klimafreundlichen Verbundwerkstoffen nicht nur jetzt bereits hoch ist, sondern in Zukunft weltweit noch steigen wird, planen die carbonauten bereits mit der Errichtung weiterer Anlagen auf der ganzen Welt. „In der engeren Auswahl sind etwa 30 Standorte in Österreich, Frankreich, Spanien, Italien, Montenegro aber auch Panama, Kolumbien, USA, Kanada und Brasilien“, sagt Torsten Becker.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/pm/weniger-erdoel-co2-senkenden-kunststoffen