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Bundesregierung: Weiße Biotechnologie immer bedeutender

Die industrielle Biotechnologie wird gern auch als Weiße Biotechnologie bezeichnet. Dieses Etikett passt überall dort, wo in der Industrie Organismen oder Biomoleküle bei der Herstellung von Produkten zum Einsatz kommen. Bei der Herstellung von Biosprit oder Bioprodukten in der Chemie, der Nahrungsmittelindustrie oder der Papier- und Textilwirtschaft ist die Biotechnologie nicht mehr weg zu denken. Die zunehmende Bedeutung dieser Schlüsseltechnologie dokumentieren die 37 Antworten, die die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion im Bundestag veröffentlicht hat. Demnach hat der Bund für die Weiße Biotechnologie in den vergangenen fünf Jahren stetig mehr Geld ausgegeben, insgesamt waren es 2011 rund 65 Millionen Euro. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Branche hat biotechnologie.de beigesteuert.

Bioreaktor für Säugetierzellen zur Produktion von Biopharmazeutika. © Rentschler Biotechnologie
Insbesondere wenn es um die industrielle Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen geht, ruhen viele Hoffnungen auf der Weißen Biotechnologie. Sie gilt als ein Schrittmacher auf dem Weg zu einem Wirtschaften auf der Basis biologischer Ressourcen (Bioökonomie). Denn die Umstellung von chemischen auf biologische Prozesse in der Industrie soll erdölabhängige Verfahren zunehmend ersetzen und die Produktion umweltschonender machen. Für die Bundesregierung ist die Weiße Biotechnologie eine Schlüsseltechnologie, um die in der 2010 gestarteten „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ beschriebenen Herausforderungen und Ziele zu meistern. Die Weiße Biotechnologie könne dabei insbesondere zu den Handlungsfeldern „Nachwachsende Rohstoffe industriell nutzen“ und „Energieträger auf Basis von Biomasse ausbauen“ beitragen, heißt es in der Antwort auf die SPD-Anfrage. Um die Weiterentwicklung der Weißen Biotechnologie in Deutschland voranzutreiben, fördert die Bundesregierung insbesondere Forschung & Entwicklungs-Vorhaben. Allein das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der beiden Förderprogramme "Forschungsstrategie BioÖkomomie 2030" und "Rahmenprogramm Gesundheitsforschung" im Jahr 2011 rund 42 Millionen Euro in die Weiße Biotechnologie gesteckt. Zum Vergleich: 2007 waren es 18,5 Millionen Euro.

Knapp 60 Unternehmen auf Weiße Biotechnologie spezialisiert

Nach Zahlen, die biotechnologie.de im Auftrag des BMBF erhoben hat, gibt es derzeit 56 Unternehmen in Deutschland, die sich als dedizierte Biotechnologie-Unternehmen hauptsächlich mit Weißer Biotechnologie befassen. Zu diesen fast ausschließlich kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kommen 26 sonstige biotechnologisch aktive Unternehmen hinzu, bei denen die Weiße Biotechnologie nur einen Teil der Geschäftstätigkeit darstellt. Unter diesen 26 Unternehmen sind 13 KMU. Im Jahr 2010 waren in den 56 dedizierten Biotechnologie-Unternehmen 1.075 Mitarbeiter beschäftigt. Weitere 2.125 Mitarbeiter waren in den biotechnologischen Bereichen der 26 Unternehmen tätig, bei denen die Weiße Biotechnologie nur einen Teil der Geschäftstätigkeit bildet, hierzu zählen insbesondere Chemiekonzerne.

Bei den 56 spezialisierten Biotech-Firmen beliefen sich die FuE-Ausgaben 2010 auf 59,3 Millionen Euro. Sie erreichten einen Gesamtumsatz von 143 Millionen Euro. Das entspricht einem Anteil der FuE-Ausgaben am Umsatz von 41 Prozent. Auch in der akademischen Forschung ist die Weiße Biotechnologie stark präsent: So befassen sich 165 Institute an 48 Universitäten und 27 Fachhochschulen mit diesem Anwendungsgebiet. Hinzu kommt eine lange Reihe an außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Neue Allianzen und Bioraffinerie-Konzepte im Fokus

In dem Antwortpapier zu der Kleinen Anfrage der SPD geht die Bundesregierung auch darauf ein, welche Weichen gestellt wurden, um die Entwicklung der industriellen Biotechnologie künftig noch stärker voranzutreiben. Auf dem Weg hin zu einer Bioökonomie soll mit der 2011 aufgelegten Fördermaßnahme „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ die Basis für die Bildung strategischer Allianzen geschaffen werden. Mit dem Aufbau des Chemisch-Biotechnologischen Prozessentwicklungszentrums (CBP) wird am traditionsreichen Chemie-Standort Leuna die Verfügbarkeit von Demonstrationsanlagen verbessert. 2012 soll das Bioraffinerie-Forschungszentrum eingeweiht werden. Das CBP ist auch eine wichtige Säule des kürzlich gekürten Spitzenclusters „BioEconomy“, der sich über 40 Millionen Euro vom BMBF freuen darf. Wegweisende Technologien und Kooperationen im Blick haben auch zwei Diskussionsprozesse mit relevanten Akteuren, die das BMBF in den vergangen Jahren gestartet hat. So sind Fachleute derzeit dabei, eine „Roadmap Bioraffinerien“ zu erstellen, die noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Und im Strategieprozess „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren“ loten Experten die Biotechnologie der Zukunft aus.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • In der weißen Biotechnologie – auch industrielle Biotechnologie genannt – werden mit Hilfe von Mikroorganismen, Zellen oder deren Bestandteilen industrielle Produkte wie z.B. organische Grund- und Feinchemikalien, Nahrungsmittel sowie Lebensmittelzusatzstoffe, technische Enzyme und Biokraftstoffe hergestellt.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • In der weißen Biotechnologie – auch industrielle Biotechnologie genannt – werden mit Hilfe von Mikroorganismen, Zellen oder deren Bestandteilen industrielle Produkte wie z.B. organische Grund- und Feinchemikalien, Nahrungsmittel sowie Lebensmittelzusatzstoffe, technische Enzyme und Biokraftstoffe hergestellt.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
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