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EFSA aktualisiert Leitlinien zu GV-Pflanzen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat aktualisierte Leitlinien für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) von genetisch veränderten (GV-)Pflanzen veröffentlicht, die den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich berücksichtigen.

Maisfeld © Gerd Spelsberg / www.biosicherheit.de

Die wissenschaftlichen Sachverständigen des GMO-Gremiums der EFSA haben die Leitlinien für die zur EU-weiten Zulassung eingereichten Anträge für GVO aktualisiert und erweitert, insbesondere in Bezug auf die Erzeugung, Erfassung und Analyse von Daten. Das UVP-Leitliniendokument berücksichtigt auch die Beurteilung möglicher Langzeitwirkungen genetisch veränderter Pflanzen und potenzieller Wirkungen auf Nichtzielorganismen (NTO) [1]. In diese Leitlinien sind die strengen Anforderungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung von GV-Pflanzen entsprechend der Richtlinie 2001/18/EG zur absichtlichen Freisetzung von GV-Pflanzen mit eingeflossen.

Die Europäische Kommission hatte die EFSA im Jahr 2008 [2] ersucht, ihre Leitlinien zur Umweltverträglichkeitsprüfung zu erweitern und zu aktualisieren; somit konnte die EFSA die Arbeit in diesem Bereich ausbauen, die 2007 aufgenommen worden war.

Entsprechend der Schlussfolgerungen des Rates „Umwelt“ vom Dezember 2008 wurden die Mitgliedstaaten und Interessengruppen und -vertreter bei der Prüfung dieser Leitlinien mit einbezogen. Die EFSA führte eine Reihe technischer Erörterungen über das Leitliniendokument mit Vertretern von EU-Mitgliedstaaten [3], Nichtregierungsorganisationen und Antragstellern bezüglich GV-Pflanzen durch [4], um den Meinungsaustausch zu den wissenschaftlichen Fragestellungen zu fördern. Für einen Entwurf der UVP-Leitlinien wurde außerdem Anfang dieses Jahres eine öffentliche Konsultation durchgeführt [5], in deren Rahmen 494 Stellungnahmen eingingen.

Um die Umweltverträglichkeit einer genetisch veränderten Pflanze zu bewerten, für die ein Antrag auf Zulassung in der Europäischen Union gestellt wurde, verlangt die EFSA von allen Antragstellern die Befolgung ihrer Leitliniendokumente, in denen genau festgelegt ist, welche Arten von Daten und Informationen einzureichen sind. In den UVP-Leitlinien überprüfte und aktualisierte die EFSA sieben spezielle Bereiche, die bei der Bewertung der Auswirkungen einer GV-Pflanze auf die Umwelt berücksichtigt werden müssen. Sie umfassen insbesondere die Persistenz und Invasivität der GV-Pflanze – unter Berücksichtigung der möglichen Genübertragung von Pflanze zu Pflanze; die Wahrscheinlichkeit und die Folgen der Genübertragung von der Pflanze auf Mikroorganismen; die mögliche Resistenzentwicklung bei Zielorganismen; die möglichen Auswirkungen auf Nichtzielorganismen; die biogeochemischen Prozesse wie Veränderungen der Bodenzusammensetzung und die möglichen Auswirkungen auf Anbau, Pflanzenmanagement und Ernteverfahren bezüglich GV-Pflanzen.

Das Leitliniendokument enthält ausführliche Anforderungen für die Auswahl geeigneter nicht genetisch veränderter Vergleichspflanzen [6] und der Arten der zu berücksichtigenden Aufnahmemilieus und bezüglich Langzeitauswirkungen und Versuchsaufbau von Labor- und Feldstudien sowie ihre statistische Analyse.

[1] Ein Abschnitt des Dokuments befasst sich konkret mit der Bewertung der möglichen Wirkungen von GV-Pflanzen auf Nichtzielorganismen (NTO), d. h. Insekten, auf die das von einigen GV-Pflanzen erzeugte Toxin nicht abzielt.
[2] Mandate
[3] EFSA trifft mit Sachverständigen der Mitgliedstaaten für Umweltverträglichkeitsprüfung genetisch veränderter Pflanzen zusammen  
[4] EFSA’s technical meetings with stakeholders  
[5] Outcome of the public consultation on the draft Scientific Opinion of the Scientific Panel on Genetically Modified Organisms (GMO) on the guidance document on the environmental risk assessment of genetically modified plants
[6] Vergleichspflanzen sind die Nicht-GV-Pflanzen, mit denen die GV-Pflanze bei der Sicherheitsbewertung verglichen wird.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Transgene Organismen sind Organismen (Mikroorganismen, Tiere, Pflanzen), denen mit Hilfe gentechnischer Methoden ein fremdes Gen eingeführt worden ist, das von Generation zu Generation weitervererbt wird. Transgene Organismen sind somit gentechnisch veränderte Organismen. (GVO)

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • Transgene Organismen sind Organismen (Mikroorganismen, Tiere, Pflanzen), denen mit Hilfe gentechnischer Methoden ein fremdes Gen eingeführt worden ist, das von Generation zu Generation weitervererbt wird. Transgene Organismen sind somit gentechnisch veränderte Organismen. (GVO)
  • Ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) ist ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt.
  • Toxizität ist ein anderes Wort für Giftigkeit.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/efsa-aktualisiert-leitlinien-zu-gv-pflanzen/