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Gentechnik im Essen: Jedes Land entscheidet selbst

EU-Abgeordnete befürworten einen Gesetzesvorschlag, der es den einzelnen Mitgliedsländer ermöglicht, genetisch manipulierte Nahrungsmittel zu verbieten. Außerdem befassen sich die Abgeordneten mit Gesetzesvorschlägen zur Nahrungsmittelqualität.

Maiskolben © Gerd Spelsberg / www.biosicherheit.de

Während eine Mehrheit der Bürger in den USA auf einen höheren Lebensstandard dank moderner Biotechnologie hofft, sind viele Europäer skeptisch. Besonders genetisch manipulierte Lebensmittel (GMOs) werden von vielen Verbrauchern in der EU abgelehnt. Aber auch innerhalb der EU gibt es hier deutliche Unterschiede. Die Abgeordneten des Ausschusses für Lebensmittelsicherheit haben deshalb am Dienstag einem Gesetzesvorschlag zugestimmt, der es den Regierungen der einzelnen Mitgliederstaaten erlaubt, GMOs aus Umweltschutzgründen abzulehnen.

"Unser Vorschlag schafft eine solide rechtliche Grundlage", erklärte Corinne Lepage, die französische Berichterstatterin des Ausschuss. Lepage, Mitglied der liberaldemokratischen ALDE-Fraktion, bezeichnete das Abstimmungsergebnis als "klare Botschaft des Parlaments an den Rat und die Kommission: das EU-Genehmigungssystem sollte beibehalten werden, aber wir müssen erkennen, dass es Auswirkungen auf Landwirtschaft und Umwelt gibt, die es den Mitgliedsstaaten ermöglichen, Restriktionen oder gar ein Verbot des Anbaus von GMOs zu begründen."

Was wird sich ändern?

Zwar dürften EU-Staaten weiterhin keine Verbote aufgrund gesundheitlicher Bedenken aussprechen. Negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, die Gefahr von Pestizidresistenzen oder die mögliche Ausbreitung fremder Pflanzen hingegen würden ein Verbot in Zukunft rechtfertigen. Damit, so die Hoffnung der Abgeordneten, erhielten die Mitgliedsstaaten soliden rechtlichen Schutz im Falle einer Klage nicht-europäischer Handelspartner vor der Welthandelsorganisation.

Im Juni wird die Plenarversammlung des EU-Parlaments über den Gesetzesvorschlag abstimmen.

Kennzeichnungspflicht und Lebensmittelqualität

Die Abgeordneten diskutierten auch über einen Bericht zur Kennzeichnung von Lebensmitteln, doch vor allem die Frage, ob zwingend auf ungesunde Transfette hingewiesen werden muss, ist noch umstritten. Eine Abstimmung ist für nächste Woche geplant.

Im Landwirtschaftsausschuss des Parlaments wurden neue Regeln zur Qualitätssicherung bei Agrarprodukten und zur Kennzeichnungspflicht des jeweiligen  Anbau- oder Herstellungsgebietes behandelt. Der Vorschlag soll es leichter machen, traditionelle Spezialitäten wie etwa Nürnberger Bratwürste besser zu vermarkten.

Weiterhin ungelöst bleibt der Streit zwischen EU-Parlament und dem Rat über Lebensmittel aus geklonten Tieren. Das Parlament will Lebensmittel aus geklonten Tieren oder deren Nachkommen verbieten, die Kommission hingegen will nur die Nutzung der ersten Generation von Nachkommen geklonter Tiere verbieten.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Ein Klon ist eine genetisch identische Kopie eines Lebewesens, die auf natürlichem Weg durch Teilung aus einer einzigen Zelle entsteht. Beispiele für natürliche Klone sind Bakterienkolonien auf der Ebene der Einzeller und Zwillinge auf der Ebene der mehrzelligen Organismen. Bei der gentechnischen Variante der Klonerzeugung, der sogenannten Klonierung, wird entweder DNA in vitro neu kombiniert und anschließend in Zellkulturen vermehrt oder es werden genetisch identische Zellen oder auch Lebewesen durch Transplatation eines Zellkerns einer Körperzelle in eine undifferenzierte Zelle (Eizelle, Stammzelle) erzeugt.
  • Ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) ist ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt.
Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/gentechnik-im-essen-jedes-land-entscheidet-selbst/