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Dialog Science 2013 - Startschuss für die Wissenschafts-Tage am Oberrhein

Die grenzüberschreitenden Tage der Wissenschaft „Dialog Science 2013“ haben am 14. Oktober mit der Auftaktveranstaltung „Die Trinationale Metropolregion Oberrhein: Exzellenzregion des Wissens und der Wissenschaft“ in der Aula der Universität Freiburg begonnen. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung stellte unter anderem der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts für Umweltforschung (DFIU) Prof. Dr. Frank Schultmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das Leuchtturmprojekt „OUI Biomasse“ vor. Dieses durch die EU kofinanzierte Projekt untersucht die Biomassenutzung als zentrales Element einer nachhaltigen Energiestrategie.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion bei der Auftaktveranstaltung der Wissenschafts-Tage Dialog Science 2013 © Patrick Seeger

In einer Region mit 167 Hochschulen und Forschungseinrichtungen, 20.000 Forschern sowie über 150 grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten gibt es ein enormes Wissenschafts-Potenzial, das jedoch noch nicht grenzüberschreitend im vollen Maße genutzt wird. Vor diesem Hintergrund entstand 2010 die Trinationale Metropolregion Oberrhein (TMO) als regionaler Zusammenschluss zwischen den angrenzenden Ländern Deutschland, Frankreich und der Schweiz, die ihr gemeinsames Wirken in vier Säulen konzentrieren: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Veranstaltungspartner des Dialog Science 2013 sind die Säule Wissenschaft mit ihrem Koordinator Janosch Nieden sowie die Universität Freiburg, deren Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer die Schirmherrschaft für diese Wissenschafts-Tage übernommen hat. In der Auftaktveranstaltung der Universität Freiburg am 14. Oktober ging es in verschiedenen Vorträgen, Kurzpräsentationen und einer Podiumsdiskussion vor allem um den interdisziplinären Forschungsbereich der Nachhaltigkeit. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sprachen über bereits bestehende Einrichtungen und Projekte sowie Aufgaben und Potenziale der Trinationalen Metropolregion Oberrhein bezüglich der Endlichkeit von Ressourcen und alternativer Wachstumsmodelle.

Nachhaltigkeit: Wissenschaft kann Optionen liefern

Prof. Dr. Frank Schultmann kümmert sich um nachhaltige Biomassenutzung im Rahmen von OUI Biomasse © Prof. Dr. Frank Schultmann

Im Rahmen der Podiumsdiskussion verdeutlichten die Vertreter der Säule Wissenschaft, dass alle wirtschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte in der Region gebündelt werden sollten, um in der grenzüberschreitenden Oberrheinregion ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit zu etablieren. Dabei soll insbesondere der Diskurs über die Knappheit von Ressourcen angeregt werden. Wie weit tragen eigentlich die Ressourcen, die wir auf unserem Globus haben? Und wie weit schränkt uns die Verfügbarkeit der Ressourcen in unserer gesellschaftlichen Entwicklung unter Berücksichtigung der Nord-Süd-Ungleichheit ein?

Prof. Dr. Paul Burger, Leiter des Fachbereichs Nachhaltigkeitsforschung der Universität Basel plädiert für ein alternatives traditionelles Wachstumsmodell, das der Frage Rechnung trägt: Wie können wir langfristig menschliches Wohlergehen sicherstellen, ohne den Weg einzuschlagen, der auf stetig steigendem Ressourcenverbrauch basiert? Dabei warnte Burger vor allzu großen Erwartungen an die Wissenschaft. Seiner Meinung nach müsse Wissenschaft, wie oft gewünscht, keine Lösungen bieten, sondern könne lediglich Optionen bereitstellen, die für wirtschaftliche und politische Entscheidungen hilfreich sein können. Energiewende und nachhaltige Entwicklung ist seiner Meinung nach ein gesellschaftliches Experiment, von dem wir noch nicht die einzelnen Schritte kennen und bei dem wir jeweils auf die Probleme stoßen, die wir selbst gemacht haben. Wichtig sei nun, dass es gelinge, eine integrierte systemische Forschung durchzuführen. Hierfür gebe es am Oberrhein ein besonders großes Potenzial.

Ja zu Biomasse mit OUI Biomasse

Der Stand von OUI Biomasse auf der Dialog Science 2013 © Patrick Seeger

Aufgrund begrenzter fossiler Ressourcen wird in absehbarer Zeit ein höherer Bedarf an Biomasse als erneuerbare Ressource erwartet. Ihre Nutzung ist sowohl als Energieträger als auch zur Produktion von zahlreichen chemischen Stoffen realisierbar. Da mit Biomassenutzung bedeutsame gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen verknüpft sind, etwa bezüglich Flächenverbrauch und Nahrungsmittelkonkurrenz, stößt diese Idee nicht nur auf Zustimmung. Für die nachhaltige Biomassenutzung ist daher ein umfassender Ansatz vonnöten.

Prof. Dr. Frank Schultmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der zusammen mit Prof. Dr. Wolf Fichtner das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung (DFIU) leitet, möchte mit dem Projekt „Innovation für eine nachhaltige Biomassenutzung in der Oberrheinregion“ diesem Ansatz Substanz verleihen. Kernmission des DFIU ist die deutsch-französische interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Lösung von Umweltproblemen mit den Schwerpunkten Luft, Abfall und Kreislaufwirtschaft.

Im Rahmen des Projektes „OUI Biomasse“ ist das Ziel die Förderung der grenzüberschreitenden nachhaltigen Biomassenutzung in der gesamten Oberrheinregion. „Die Nachfrage nach regionalen Nutzungskonzepten steigt“, sagt Schultmann, „regional deswegen, weil Biomasse meist verteilt über größere Flächen anfällt und eine sehr geringe Energiedichte hat und daher kurze Transportwege angesagt sind.“ Er sieht, dass die Oberrheinregion einerseits erhebliche Unterschiede bezüglich wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen aufweist, dass aber dennoch das Biomassepotenzial hier schon auf unterschiedliche Art genutzt wird. „Trotzdem existiert bislang noch keine konsistente und grenzüberschreitende Strategie der nachhaltigen Biomassenutzung, welche die gesamte Wertschöpfungskette und verschiedene Nutzungsalternativen der Ressource in Betracht zieht“, so der Experte.

TMO als innovative Region hinsichtlich Umweltforschung

Konkret soll OUI Biomasse in die Etablierung eines trinationalen wissenschaftlichen interdisziplinären Netzwerks münden, das als „Oberrheinisches Umweltforschungsinstitut“ (OUI) institutionalisiert wird. Dabei soll die TMO als eine der innovativsten Regionen in punkto Umweltforschung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa Modell stehen. OUI Biomasse will neben der Ermittlung regionaler Biomassepotenziale sowie der Analyse von Wertschöpfungsnetzwerken, Umweltverträglichkeit und Logistik ebenso Konversionstechnologien hinsichtlich ihrer Eignung für die Region untersuchen. Außerdem will das Projekt eine Gesamtstrategie entwerfen, die künftige mögliche Szenarien visioniert und die auch als Akteursleitfaden für nachhaltige Biomassenutzung in der Oberrheinregion fungieren soll. Insgesamt zählt das von KIT und DFIU getragene Projekt 13 direkte und 9 assoziierte Partner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, läuft über drei Jahre bis Juni 2015 und ist mit einem Budget von rund zwei Mio. Euro versehen. Das Projekt wird als eines von sieben Leuchtturmprojekten der Wissenschaftsoffensive unter anderem durch das "INTERREG IV Oberrhein" Programm zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Oberrheingebiet gefördert.

Glossar

  • Eine Base ist ein Bestandteil von Nukleinsäuren. Es gibt vier verschiedene Basen: Adenin, Guanin (Purinabkömmlinge), Cytosin und Thymin bzw. Uracil (Pyrimidinabkömmlinge). In der RNA ersetzt Uracil Thymin.
  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Fossile sind aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit stammende Überreste von Tieren oder Pflanzen.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.
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