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MicroMol GmbH und „The fine art of Life Science“

Die MicroMol GmbH macht mikrobiologische, molekularbiologische und zellbiologische Analysen, betreibt Forschung und Entwicklung, führt Validierungen durch und produziert und vertreibt Laborprodukte für die Life-Sciences-Branche. Hinter diesen wenigen Begriffen verbirgt sich ein vielfältiges Angebot, mit dem das Karlsruher Unternehmen ganz unterschiedliche Kunden anspricht. Die Pharma- oder Chemieindustrie zählen ebenso dazu wie Unternehmen der Medizintechnik, der industriellen Biotechnologie oder der Ernährungswirtschaft.

Die Gründer und Geschäftsführer der MicroMol GmbH: Dr. Andrea und Dr. Andreas Dreusch © BIOPRO/ Womann

Gegründet haben Andrea und Andreas Dreusch die MicroMol GmbH 1996. „Das war eine Zeit, in der auch für große Biotech-Unternehmen Outsourcing ein wichtiges Thema war“, erzählt Andrea Dreusch. „Wir haben damals mit unseren Labordienstleistungen richtig gut in den Biotech-Hype gepasst und von allen Seiten Unterstützung bekommen.“ Outsourcing hatte sich in der Branche zwar erst abgezeichnet, dann aber doch nicht wirklich stattgefunden. Aber die Dreuschs sind von Anfang an mehrgleisig gefahren. Andrea Dreusch hat zunächst die mikrobiologische Abteilung aufgebaut, und Andreas Dreusch hat sich der biotechnologischen Forschung und Entwicklung gewidmet. „Jeder hat sich sein Thema genommen. So bestand auch nicht die Gefahr, dass wir uns die Köpfe einschlagen, mein Mann und ich“, sagt die Geschäftsführerin lachend.

Dann kamen nach und nach noch das molekularbiologische, biochemische und zellbiologische Labor dazu. Heute sind hier über 20 Mitarbeiter damit beschäftigt, die jeweiligen Methoden in Servicedienstleistungen oder FuE (Forschungs- und Entwicklungs)-Projekten umzusetzen. „Da punkten wir gegenüber anderen“, findet Andrea Dreusch, „denn mit unserem vielfältigen Methodenbesteck können wir FuE-Projekte in ihrer ganzen Komplexität abbilden.“

In den Labors der MicroMol geht es sehr bunt zu: Die vielen etablierten Labormethoden aus der Mikrobiologie, Molekularbiologie, Biochemie und Zellbiologie sprechen ganz unterschiedliche Kunden an. © Valérie Goovaerts

Aber nicht nur die Labormethoden, die bei der MicroMol vorgehalten werden, sind vielfältig, auch die Kunden sind es. „In unseren Labors geht es sehr bunt zu. Denn unsere Dienstleistungen sprechen ganz unterschiedliche Branchen an“, sagt die promovierte Biologin. Da gibt es beispielsweise den kleinen mittelständischen Betrieb, der Equipment an Zahnarztpraxen liefert, und der sein Produktportfolio um einen Schnellnachweis für Parodontose erweitern möchte. Oder die Uni, die Unterstützung bei Proteinexpression, Klonierung und PCR benötigt. Und das Biotech-Unternehmen, das Arzneimittel oder Aromen im Fermenter herstellt und einen Bakteriophagen-Nachweis bestellt. Denn ist ein Fermenter mit Bakteriophagen kontaminiert, kann der ganze Prozess zusammenbrechen, und das wird teuer. „Der Nachweis von Bakteriophagen ist eine Spezialität von uns“, sagt die MicroMol-Chefin. „Das bieten nur wenige an.“ 

Validierungen und eigene Forschungsprojekte

Am stärksten sieht Andrea Dreusch die MicroMol GmbH aber im Bereich der Validierung. Dabei wird geprüft, ob ein neuer Prozess auch verlässlich funktioniert. „Wir arbeiten hier vorrangig für die pharmazeutische Industrie und die Lebensmittelindustrie. Bei Bodenreinigungsgeräten haben wir aber auch schon Validierungen durchgeführt und sind Gutachter in einem europaweit geführten Rechtsstreit.“ Falls nötig werden die Kunden auch bei der Einführung des validierten Prozesses und im anschließenden Qualitäts- und Prozessmanagement unterstützt.

Auch eigene Forschungsprojekte gehören bei der MicroMol GmbH zum Alltag. Aktuell arbeitet die Firma unter anderem in einem Kooperationsprojekt mit der R-Biopharm AG in Darmstadt an einem Schnellnachweis für Lebensmittelallergene des Selleries. Der würzige Sellerie wird gerne in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und ist in Wurstwaren, Fertigprodukten oder Ketchup zu finden. „Sellerie ist ein sehr potentes Lebensmittelallergen, das starke Reaktionen auslösen kann. Es ist aber sehr schwer mit einem Schnelltest nachzuweisen“, beschreibt Andrea Dreusch. Sellerie kann zwar im Labor mit einem ELISA-Test festgestellt werden, aber für Unternehmen wäre ein Schnelltest interessant, der direkt an der Produktionslinie durchgeführt werden kann. Für verschiedene andere Allergene gibt es das bereits. Das spart viel Zeit und Geld.

Qualitätsmanagementsysteme in der Lebensmittelindustrie aufbauen und prüfen

Interessantes Angebot für Kunden aus der Lebensmittelindustrie: Mikrobiologische Analytik und anschließende Beratung sowie Unterstützung bei der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen. © Valérie Goovaerts

Im Laufe der Zeit hat sich aus der mikrobiologischen Abteilung der „Food Production Quality Service“ (FPQS) entwickelt. „Anfangs haben wir die Lebensmittel nur mikrobiologisch analysiert. Allerdings konnten die Kunden mit diesen Ergebnissen oft nichts anfangen. Und da haben wir begonnen, die Leute zu beraten“, erinnert sich die Biologin. Ab 2003 kamen in der Lebensmittelindustrie dann Qualitätsmanagementsysteme für Lebensmittelsicherheit auf. Ein solches System stellt sicher, dass die Qualität eines Lebensmittels regelmäßig geprüft und bei Bedarf verbessert wird. Der Einzelhandel begann damals von seinen Zulieferern Zertifikate über solche Systeme einzufordern. Damals ist sie von so einem Zulieferer gefragt worden, ob sie bei der Vorbereitung einer solchen Zertifizierung helfen kann.

Sie hat sich daraufhin Partner gesucht, mit denen sie solche Fragestellungen bearbeiten kann, und mittlerweile ist daraus eine eigene Abteilung bei der MicroMol GmbH geworden. Ein Team aus 15, zum Teil freien Mitarbeitern befasst sich mit dem Aufbau, dem Unterhalt und der Prüfung von Qualitätsmanagementsystemen in der Lebensmittelindustrie und angrenzenden Gebieten. Die FPQS ist in ganz Europa sowie in den USA und Kanada tätig.

Ergänzend zu den Dienstleistungen vertreibt die MicroMol GmbH auch Laborprodukte, wie Proteinmarker, Antikörper, Reagenzien oder Kontrollstämme. Die laufen teilweise unter eigenem Namen über einen Onlineshop oder werden für Unternehmen wie Carl Roth oder AppliChem produziert. Mit im Produktportfolio sind auch Kontrollstämme der Marke BioReference des Institut Pasteur de Lille in Frankreich. „Damals ging es um relativ komplizierte Keime, und wir haben keine Kontrollstämme gefunden, die unseren Ansprüchen genügt hätten“, erzählt die Geschäftsführerin. Beim Institut Pasteur de Lille wurde sie fündig, und daraus hat sich dann eine Vertriebspartnerschaft entwickelt. Und auch die anderen Produkte sind aus Projekten hervorgegangen: Sie sind entweder nebenbei entstanden oder wurden neu entwickelt, wenn vorhandene Angebote nicht die nötige Qualität aufwiesen.

The fine Art of Life Science

„Mit unseren Themen setzen wir uns sehr intensiv und kritisch auseinander“, sagt Andrea Dreusch und fügt hinzu: „In den Life Science gibt es viele Techniken und Möglichkeiten. Aber die Kunst ist, damit richtig umzugehen, sie richtig einzusetzen und zu kombinieren. Das braucht Fingerspitzengefühl und macht „The fine art of Life Science“ aus.“

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