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Studium für umweltbewusste Bauingenieure

Umweltchemie, Ingenieurbiologie und Werkstofftechnologie sind nur drei Fächer des neuen interdisziplinären Studiengangs Umwelttechnik und Ressourcenmanagement. Als einzige Hochschule in Deutschland bietet die Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG Konstanz) die Kombination aus Bauingenieurwesen und Umweltschutz als Studium an. Im Gespräch mit Jessica Streicher für die BIOPRO Baden-Württemberg erklärt Prof. Dr.-Ing. Peter Hirschmann, Studiendekan für Umwelttechnik und Ressourcenmanagement, die Besonderheiten und Schwerpunkte des innovativen Studiengangs.

Herr Professor Hirschmann, wie kam es zur Einrichtung des Studiengangs „Umwelttechnik und Ressourcenmanagement“?

Prof. Dr.-Ing. Peter Hirschmann ist Studiendekan des neuen Bachelor-Studiengangs „Umwelttechnik und Ressourcenmanagement“ an der HTWG Konstanz. © Andreas Grimm

Der Studiengang Umwelttechnik und Ressourcenmanagement entstand im Zuge des Programms „Hochschule 2012“ vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, um den doppelten Abiturjahrgängen ausreichend Studienplätze zur Verfügung zu stellen. Die HTWG Konstanz hatte bereits den Studiengang Verfahrens- und Umwelttechnik im Bereich der Fakultät Maschinenbau, ein mehr interdisziplinär angelegter Studiengang aber fehlte. Zum Wintersemester 2012/13 haben wir dann erstmals Studierende für den neuen Studiengang aufgenommen. Die enorme Nachfrage bereits zum Start hat uns außerordentlich positiv überrascht, aber auch unser Konzept bestätigt. Im Oktober 2013 startete die nächste Kohorte in einer überarbeiteten und optimierten Studienprüfungsordnung.

Welche Idee steckt hinter dem Studiengang?

Bei einer Reihe von geplanten Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes treten trotz fachlich überzeugender Ansätze Schwierigkeiten bei der Finanzierung, dem Projektmanagement, der Einschätzung der örtlich Betroffenen oder rechtlichen Fragen auf. Die Idee war somit, einen 7-semestrigen Ingenieur-Studiengang zu konzipieren, dessen fundierte, breite ingenieurwissenschaftliche Basis um natur- und wirtschaftswissenschaftliche sowie rechtlich-gesellschaftliche Aspekte ergänzt wird. Damit soll den künftigen Absolventen ermöglicht werden, detailliert, interdisziplinär und nachhaltig als künftige Projektplaner und Projektleiter im Bereich des Umweltschutzes zu arbeiten und die Maßnahmen zum Erfolg zu führen.

Wodurch zeichnet sich der Studiengang im Vergleich zum klassischen Bauingenieurwesen aus?

In Fächern wie „Umweltchemie“ werden im Studiengang auch naturwissenschaftliche Inhalte unterrichtet. © photo-spice.com

Die neuen naturwissenschaftlichen Fächer sollen das Spektrum der künftigen Ingenieurinnen und Ingenieure erweitern und die Notwendigkeit zur Kooperation mit naturwissenschaftlichen Fachrichtungen frühzeitig fest verankern. Eine zusätzliche Vermittlung wirtschaftswissenschaftlicher Grundlagen sowie des Projektmanagements soll die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Realisierung nachhaltiger Projekte schaffen und dabei frühzeitig interdisziplinäres Denken und Arbeiten schulen. Die Vernetzung mit den weiteren Studiengängen unserer Fakultät wie beispielsweise dem Bauingenieurwesen wird dies in künftigen gemeinsamen Projekten zusätzlich fördern.

Der Studiengang beinhaltet auch Fächer wie „Ingenieurbiologie“ und „Umweltchemie“. Handelt es sich hier um ganz neue Forschungsbereiche?

Beide angesprochenen Fächer sind für uns neu. Mit der Einrichtung des Studiengangs war auch die Genehmigung neuer Professorenstellen verbunden, wie im Fachgebiet „Umwelttechnik“. Diese Stelle ist erst seit wenigen Monaten besetzt. Forschungsschwerpunkte werden sich daher erst im Laufe der nächsten Semester herauskristallisieren. Das Fach „Ingenieurbiologie“ wird erstmalig im kommenden Wintersemester durch Lehrbeauftragte aus der Praxis abgehalten.

Wie werden ökonomische, ökologische und ethische Faktoren im Studiengang berücksichtigt und in der Bauplanung eingebunden?

Studenten bei der Probennahme © photo-spice.com

Diese Faktoren können nach unserer Auffassung nicht in einer Veranstaltung „gelehrt“ werden. Sie sind vielmehr Ausdruck einer Geisteshaltung, die sich durch das ganze Studium zieht und sich aus den vielen erworbenen „Mosaiksteinen“ der einzelnen Fächer zu einem Ganzen zusammensetzt. Sie sind darum integrativer Bestandteil des Studiums. In Fächern wie „Geowissenschaften“, „Ressourcenmanagement“ und „Ökobilanzierung“ werden beispielsweise Stoffkreisläufe behandelt. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen werden unmittelbar in die Bauplanung umweltnaher Projekte eingehen, sicher aber auch bei anderen Projekten in die Diskussion mit einfließen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt der kommunalen Bauplanung ist der Umgang mit der begrenzten Ressource der genutzten und ungenutzten Flächen. Das Flächenmanagement ist deshalb auch wichtiger Bestandteil dieser Lehrveranstaltungen. Dazu kommen die rechtlichen Aspekte sowie Fragen der Vernetzung mit gesellschaftlich-politischen Aufgaben.

Wie kann Regionalisierung in Umwelttechnik und Ressourcenmanagement einbezogen werden?

Gerade im Hinblick auf die Ressourcenschonung kommt der Regionalisierung hohe Bedeutung zu. Dies ist deshalb auch Gegenstand von Lehrveranstaltungen wie „Ressourcenmanagement“, „Integriertes Wasserressourcenmanagement“ und „Verkehrssysteme und Mobilität“. Wichtig erscheint uns dabei die Verflechtung zwischen regionalen und globalen Zusammenhängen.

Ein konkretes Beispiel ist das neugegründete Kompetenzzentrum Energiewende Konstanz, in das Lehrende wie Studierende des Studiengangs gleichermaßen eingebunden sind. Hier wird eine Frage nationaler und globaler Relevanz, nämlich nach einer zukunftsfähigen Energieversorgung, auf konkrete Problemstellungen, Akteure und Aktivitäten in der Region Konstanz heruntergebrochen. Ziel ist es, Kompetenzen zur Energiewende an der HTWG und in der Region Konstanz zu vernetzen und so die Energiewende mit voranzubringen.

Welche Spezialisierungen stehen den Studierenden offen?

Nach den ersten vier Theoriesemestern findet ein praktisches Studiensemester statt, das beispielsweise in einem Unternehmen, Ingenieurbüro oder einer Kommune im Umweltbereich abzuleisten ist. Danach entscheiden sich die Studierenden in den verbleibenden zwei Semestern für eine der beiden Vertiefungsrichtungen „Wasserressourcen-Management / Umwelttechnik“ oder „Ressourcenmanagement / Erneuerbare Energien“. Ein zusätzliches Wahlpflichtmodul bietet die Möglichkeit für eine weitere Spezialisierung in der gewählten Vertiefungsrichtung oder für eine Verbreiterung der Wissensbasis durch die Wahl von Fächern aus der jeweils anderen Vertiefungsrichtung.

Seiten-Adresse: https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/studium-fuer-umweltbewusste-bauingenieure/